„Auf dem Lande wird es licht“ lautete der Titel einer Tagung, die am 14. und 15. November 2013 an der Evangelische Akademie Baden in Bad Herrenalb stattfand.
Dreh- und Angelpunkt war es herauszufinden, wie sich die Evangelische Landeskirche in Baden und die Kommunen auf den demografischen Wandel einstellen können.
Eine Reihe hochkarätiger Expertinnen und Experten bezogen zu dieser Frage Stellung.
Der Theologie-Professor Peter Riede , Tübingen, schuf die Grundlagen dafür, dass die Tagung biblisch „geerdet“ wurde. Er sprach den gegenwärtigen Landhunger, regional wie global an, und stellte fest, Land werde deshalb gesucht, weil es gutes Leben ermögliche. Nach alttestamentlichem Verständnis gehöre das Land Gott und diene zum Erhalt der Familie. Schon in der Bibel gebe es den Stadt-Land Gegensatz bzw. das Stadt-Land-Gefälle. In der Priorität kommen zuerst die Städte, dann das Dorf. In Anspielung auf den Titel der Tagung formulierte Riede zugespitzt am Ende: Das Land wird licht - die Stadt wird dicht und gab damit einen Einblick in die Komplexität des Themas.
Claudia Neu, Soziologie-Professorin aus Mönchengladbach, sprach die bereits schon in vielen Teilen der Republik stattfindende Ausdünnung ländlicher Gebiete an und warnte davor zu glauben, dass die alten Zeiten wieder zurückkämen. Vielmehr müssten die Verantwortlichen in Kirche und Politik den Wandel akzeptieren und sich auf ihre je eigenen Aufgaben konzentrieren. Kirchliche Daseinsvorsorge beinhalte andere Prioritäten als staatliche. Der evangelischen Kirche sollte es darum gehen, ihre Integrationskraft, gerade in Zeiten des Wandels, zu stärken und ihren biblischen (Missions-) Auftrag auch in Zukunft erfüllen zu können.
Hartmut Alker, Ministerialdirigent im Ministerium Ländlicher Raum und Verbraucherschutz in Stuttgart beschrieb die wirtschaftlichen Stärken des Ländlichen Raums in Baden-Württemberg und ging anschließend auf den demografischen Wandel ein, der sich in Wanderungsverlusten und weniger Geburten als Sterbefällen darstelle. Besonderes Augenmerk wird das Ministerium der Frage widmen, warum jungen Menschen nicht mehr in ihre Dörfer zurückkehren, wenn sie diese zu Ausbildungszwecken verlassen haben. Der Referent hielt ein leidenschaftliches Plädoyer für mehr Kooperation unter den Gemeinden auch im Sinne eines Lösungsansatzes.
Oberkirchenrat Dr. Matthias Kreplin sagte Redimensionierung als schlichte Minimierung habe Grenzen, es brauche Redimensionierung durch kreative Transformation. Er sprach über resignative Haltungen, die kreative Lösungen blockieren, und über die Überwindung von Resignation aus biblischen Quellen heraus. Außerdem thematisierte er geplante Rückbaumaßnahmen in den Kirchengemeinden. Die Landeskirche habe beschlossen Kirchengebäuden soweit als sinnvoll und möglich zu erhalten. Darüber hinaus seien Gemeindehäuser regional planbar, Pfarrhäuser seien mit niedrigerer Priorität zu erhalten. Über allem stehe aber der Grundsatz: jede Gemeinde müsse ihre eigene Lösung finden. Der Vorteil einer geplanten und transparenten Redimensionierung könnte, im Gegensatz zum Zwangszentralismus, in neuen Formen von Zugehörigkeit und Zusammenarbeit von Gemeinden in einer Region liegen.
„Deutschland sei aufgebaut. Jetzt müsse saniert werden“, so Dr. Martina Klärle, Professorin für Landmanagement an der Fachhochschule Frankfurt. Solange das Bauen auf der grünen Wiese günstiger und einfacher sei als im Bestand, sei es kein Wunder, dass der Landverbrauch voran schreite. Eine große Aufgabe sei es den Landverbrauch zu reduzieren. Innerörtliche Entwicklung müsse daher Priorität vor Außenentwicklung haben. Große Potenziale für den Ländlichen Raum sah Frau Klärle in der Nutzung der regenerativen Energien.
Architekt Dipl.-Ing.Alexander Grünenwaldaus Karlsruhe vermittelte mit seinen Erfahrungen im Bereich des generationenübergreifenden und altersgerechten Bauens den Zuhörern ein lebendiges Bild davon, wie dieses Bauen in Zukunft aussehen kann.
Anschaulich berichteten Dekan Rüdiger Krauth von der Hohenstadter Käseküche und Bürgermeister a.D. Gerhard Kiechle von der Bürgergemeinschaft Eichstetten. Die Hohenstadter Käseküche, ein Gemeinschaftsprojekt von Kirchengemeinde und Diakonischem Werk, versuche handwerklich hergestellten Käse in einem kleinen Dorf herzustellen und regional zu vermarkten, wodurch Arbeitsplätze entstehen.
Die Bürgergemeinschaft Eichstetten nimmt sich älterer Mitbürger in der Weise an, dass sie Räumlichkeiten zur Verfügung stellt, damit diese in ihrer vertrauten Umgebung wohnen können, auch dann, wenn sie dement sind.
In einem Podiumsgespräch gingen Frau Oberkirchenrätin Karen Hinrichs, Karlsruhe; Ministerialdirigent Hartmut Alker, Dr. Tobias Bringmann, Geschäftsführer des Verbandes Kommunaler Unternehmen, Stuttgart, Landrat Dr. Brötel, Mosbach, und Johannes Stingl, Beigeordneter beim Gemeindetag Baden-Württemberg, Stuttgart, auf die Bleibefaktoren ein, die Menschen im Ländlichen Raum halten. Einig waren sich Podiumsteilnehmer und Zuhörer in ihrem leidenschaftlichen Engagement für den Ländlichen Raum und in ihrer Zuversicht, dass die Herausforderungen nicht einfach sein werden, aber zu meistern.
Dreh- und Angelpunkt war es herauszufinden, wie sich die Evangelische Landeskirche in Baden und die Kommunen auf den demografischen Wandel einstellen können.
Eine Reihe hochkarätiger Expertinnen und Experten bezogen zu dieser Frage Stellung.
Der Theologie-Professor Peter Riede , Tübingen, schuf die Grundlagen dafür, dass die Tagung biblisch „geerdet“ wurde. Er sprach den gegenwärtigen Landhunger, regional wie global an, und stellte fest, Land werde deshalb gesucht, weil es gutes Leben ermögliche. Nach alttestamentlichem Verständnis gehöre das Land Gott und diene zum Erhalt der Familie. Schon in der Bibel gebe es den Stadt-Land Gegensatz bzw. das Stadt-Land-Gefälle. In der Priorität kommen zuerst die Städte, dann das Dorf. In Anspielung auf den Titel der Tagung formulierte Riede zugespitzt am Ende: Das Land wird licht - die Stadt wird dicht und gab damit einen Einblick in die Komplexität des Themas.
Claudia Neu, Soziologie-Professorin aus Mönchengladbach, sprach die bereits schon in vielen Teilen der Republik stattfindende Ausdünnung ländlicher Gebiete an und warnte davor zu glauben, dass die alten Zeiten wieder zurückkämen. Vielmehr müssten die Verantwortlichen in Kirche und Politik den Wandel akzeptieren und sich auf ihre je eigenen Aufgaben konzentrieren. Kirchliche Daseinsvorsorge beinhalte andere Prioritäten als staatliche. Der evangelischen Kirche sollte es darum gehen, ihre Integrationskraft, gerade in Zeiten des Wandels, zu stärken und ihren biblischen (Missions-) Auftrag auch in Zukunft erfüllen zu können.
Hartmut Alker, Ministerialdirigent im Ministerium Ländlicher Raum und Verbraucherschutz in Stuttgart beschrieb die wirtschaftlichen Stärken des Ländlichen Raums in Baden-Württemberg und ging anschließend auf den demografischen Wandel ein, der sich in Wanderungsverlusten und weniger Geburten als Sterbefällen darstelle. Besonderes Augenmerk wird das Ministerium der Frage widmen, warum jungen Menschen nicht mehr in ihre Dörfer zurückkehren, wenn sie diese zu Ausbildungszwecken verlassen haben. Der Referent hielt ein leidenschaftliches Plädoyer für mehr Kooperation unter den Gemeinden auch im Sinne eines Lösungsansatzes.
Oberkirchenrat Dr. Matthias Kreplin sagte Redimensionierung als schlichte Minimierung habe Grenzen, es brauche Redimensionierung durch kreative Transformation. Er sprach über resignative Haltungen, die kreative Lösungen blockieren, und über die Überwindung von Resignation aus biblischen Quellen heraus. Außerdem thematisierte er geplante Rückbaumaßnahmen in den Kirchengemeinden. Die Landeskirche habe beschlossen Kirchengebäuden soweit als sinnvoll und möglich zu erhalten. Darüber hinaus seien Gemeindehäuser regional planbar, Pfarrhäuser seien mit niedrigerer Priorität zu erhalten. Über allem stehe aber der Grundsatz: jede Gemeinde müsse ihre eigene Lösung finden. Der Vorteil einer geplanten und transparenten Redimensionierung könnte, im Gegensatz zum Zwangszentralismus, in neuen Formen von Zugehörigkeit und Zusammenarbeit von Gemeinden in einer Region liegen.
„Deutschland sei aufgebaut. Jetzt müsse saniert werden“, so Dr. Martina Klärle, Professorin für Landmanagement an der Fachhochschule Frankfurt. Solange das Bauen auf der grünen Wiese günstiger und einfacher sei als im Bestand, sei es kein Wunder, dass der Landverbrauch voran schreite. Eine große Aufgabe sei es den Landverbrauch zu reduzieren. Innerörtliche Entwicklung müsse daher Priorität vor Außenentwicklung haben. Große Potenziale für den Ländlichen Raum sah Frau Klärle in der Nutzung der regenerativen Energien.
Architekt Dipl.-Ing.Alexander Grünenwaldaus Karlsruhe vermittelte mit seinen Erfahrungen im Bereich des generationenübergreifenden und altersgerechten Bauens den Zuhörern ein lebendiges Bild davon, wie dieses Bauen in Zukunft aussehen kann.
70% der Menschen werden noch zu Hause gepflegt – das ist der Wunsch der meisten älteren Menschen, was jedoch immer mehr an der auch familiären Realität scheitert, weil z.B. die Kinder weggezogen sind. Der Wunsch wohnortnah in Gemeinschaft alt und auch gepflegt zu werden bleibt aber und ist verständlich.
Herr Grünewald hat dazu konkrete und erprobte Projekte vorgestellt und diese auch unter wirtschaftlichen und rechtlichen aber auch unter baulichen Aspekten präsentiert und diskutiert. Ebenso ging es um den notwendigen Prozess in einer Gruppe, sich auf eine solche Wohnform einzulassen und dann auch zu leben. Der Referent stellte dar, dass solches Wohnen nur vor Ort ganz individuell umgesetzt werden kann und einen dritten Weg zwischen großen anonymen Heimen und der ambulanten Versorgung, oft alleine, zu Hause eröffnet.
Anschaulich berichteten Dekan Rüdiger Krauth von der Hohenstadter Käseküche und Bürgermeister a.D. Gerhard Kiechle von der Bürgergemeinschaft Eichstetten. Die Hohenstadter Käseküche, ein Gemeinschaftsprojekt von Kirchengemeinde und Diakonischem Werk, versuche handwerklich hergestellten Käse in einem kleinen Dorf herzustellen und regional zu vermarkten, wodurch Arbeitsplätze entstehen.
Die Bürgergemeinschaft Eichstetten nimmt sich älterer Mitbürger in der Weise an, dass sie Räumlichkeiten zur Verfügung stellt, damit diese in ihrer vertrauten Umgebung wohnen können, auch dann, wenn sie dement sind.
In einem Podiumsgespräch gingen Frau Oberkirchenrätin Karen Hinrichs, Karlsruhe; Ministerialdirigent Hartmut Alker, Dr. Tobias Bringmann, Geschäftsführer des Verbandes Kommunaler Unternehmen, Stuttgart, Landrat Dr. Brötel, Mosbach, und Johannes Stingl, Beigeordneter beim Gemeindetag Baden-Württemberg, Stuttgart, auf die Bleibefaktoren ein, die Menschen im Ländlichen Raum halten. Einig waren sich Podiumsteilnehmer und Zuhörer in ihrem leidenschaftlichen Engagement für den Ländlichen Raum und in ihrer Zuversicht, dass die Herausforderungen nicht einfach sein werden, aber zu meistern.






