Eine Zusammenfassung der einzelnen Vorträge

 

Überlegungen zum besonderen Wert von Grünland

Prof. Dr. Martin Elsäßer
Grünland existiert in vielen Formen. Weltweit ist zwei Drittel der Agrarfläche Grünland, in Deutschland sind es 5 Mio. Hektar. Immer, wenn die Nutzungsintensität hoch ist, geht die Artenvielfalt zurück und umgekehrt. Das bedeutet, je öfter eine Wiese gemäht wird und je intensiver gedüngt wird, desto weniger Arten werden auch hier wachsen. Elsässer sprach sich gegen eine romantische Verklärung von Wiesen aus. Grünland schütze vor Nitratauswaschung. Nach einer Untersuchung der Universität Stuttgart erbringt Grünland für die Gesellschaft multifunktionale Leistungen, die mit einem Geldwert von 1291 € bis 2100 €  zu beziffern sind.

Nach den FFH-Richtlinien muss Grünland erhalten werden. Da Grünland in seinem Ertrag nicht mit Ackerbau konkurrieren kann, muss der Staat eine Grünland-Förderpolitik betreiben wie z.B. FAKT In Baden-Württemberg. Zur Förderpolitik gehört auch eine grünlandgebundene Viehwirtschaft.

Eine nationale Grünlandstrategie ist schwer durchsetzbar, weil hierzu ein Konsens aller gesellschaftlich-relevanten Akteure notwendig ist. Elsässer führte aus, dass ein Golfplatz auch eine gute ökologische Funktion habe und eine vegane Ernährung das Grünland-Probleme nicht lösen.

Elsässer ist der Meinung, dass 30 % unserer landwirtschaftlichen Flächen als Grünland erhalten werden sollten, denn die Gesellschaft brauche das Grünland in ökologischer, futterbaulicher und gesellschaftlicher Hinsicht.

 
 

Perspektiven der Grünlandforschung in Deutschland

Dr. Ulrich Thumm

Der Referent beschrieb die Ökosystemleistung des Grünlandes und das Grünlandmanagement. Er fragte, wie sich eine Veränderung in einem Bereich der Ökosysteme auf einen anderen Bereich auswirke. Aufgabe sei es, Ökosystemleistungen zu bewerten, zu optimieren und zu entwickeln. Gegenwärtige Forschungsfelder seien daher die Proteinforschung, die Fleischerzeugung auf Grünlandbasis und die nachwachsenden Rohstoffen. Thumm beschrieb folgende Intensitätsstufen der Grünlandverwendung:

  1. Dauergrünland: Von Dauergrünland spricht man, wenn es länger als fünf Jahre besteht
  2. Wechselgrünland: Wechsel zwischen Ackerbau und Grünland
  3. Feldfutterbau: zum Beispiel Leguminosen.

Thumm wies auf die Multifunktionalität des Grünlandes hin und zeigte sich ziemlich sicher, dass die Tierhaltung der einzige Weg sei, um das Grünland zu erhalten.

Der Referent stellte dann das Fachforum Grünland der deutschen Agrar-Forschungsallianz vor. Diese Allianz wurde im letzten Jahr gegründet und befasst sich mit der Intensivierung der Nutzung des Grünlandes, mit dem Naturschutz beziehungsweise der Biodiversität und den gesellschaftlichen Erfordernissen. Ein wesentlicher Bewertungsfaktor für das Grünland ist auch der Standort. Grünland gibt es da, wo hohe Niederschlagsmengen vorliegen. In Deutschland nahm das Grünland in den letzten 10 Jahren um etwas mehr als 3 % pro Jahr ab. Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Zum einen deshalb, weil die Milchproduktion weniger eng an das Grünland gebunden ist, als man erwartet, und viele Flächen als Bauland oder Verkehrsfläche verwendet werden.

 
 

Grünland: Stand und Weiterentwicklung

Dr. Werner Kloss

Dr. Werner Kloss, Unter-Abteilungsleiter im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Bonn befasst sich mit der biobasierten Wirtschaft und landwirtschaftlicher Produktionstechnik. Er sprach die Gemeinsame Agrarpolitik (die GAP) der EU an. Erst seit 2013 gibt es auf Grünland die gleichen Flächenprämien wie auf das Ackerland. Das Ziel der Bundesregierung sei es, den derzeitigen Umfang von Grünland in Deutschland in Höhe von 30% zu erhalten. Dies kann nur gelingen, wenn das Grünland genutzt wird, also: Schutz durch Nutzung. Eine Grünlandnutzung muss sich auf Dauer rechnen. Es kann keine dauerhaften Subventionen geben.

Dr. Kloss sieht folgende Handlungsfelder: Erstens eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit von Grünland, zweitens die Förderung erwünschter Leistungen auf dem Grünland, zum Beispiel durch Verträge zur Landschaftspflege oder für Leistungen des Wasserschutzes oder des Naturschutzes. Ein drittes Handlungsfeld sieht er eher in der weiteren Forschung für das Grünland durch die deutsche Agrarforschungsallianz und der Weiterentwicklung der gemeinsamen Agrarpolitik (Erste und Zweite Säule).

 
 
 

FAKT - Förderprogramm für Agrarwelt, Klimeschutz und Tierwohl

Heike Hespe
Heike Hespe vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz aus Stuttgart führte in das neue FAKT- Programm ein. Die Buchstaben FAKT stehen für Förderprogramm für Agrarumwelt, Klimaschutz und Tierwohl. Es ersetzt das bisherige MEKA-Programm. Das neue Programm fördert nicht mehr die Leistungen, die zum gegenwärtigen Standard gehören und zur guten fachlichen Praxis. Es ist ein Modulprogramm, das je nach Gegebenheiten individuell  kombinierbar ist. Zurzeit liegt noch keine Genehmigung aus Brüssel vor, so dass das Ganze unter dem Vorbehalt steht, dass die EU die vorliegenden Anträge genehmigt.

 
 

Weide und Viehhaltung im alten Israel

Prof. Dr. Peter Riede

Peter Riedle ging zunächst auf die Bedeutung der Farbe „Grün“ im Alten Testament ein. Grün sei ein Zeichen für Frische, Leben und Vitalität. Der Regen hat lebensfördernde Kraft, Wiesen und Weiden sind Lebensgrundlage nach 1. Mose 1.

Die Erde erhielt von Gott den Befehl „Grün“ hervorzubringen. Das Fehlen von „Grün“ bedeutet Not. Gott versorgt Menschen und Tiere mit Nahrung und gibt die Pflanzen auch Gras, die der Mensch pflegen und nutzen muss. So wird das Gras, das „Grün“, auch zur Hoffnung für den Menschen. Die biblischen Texte zeigen immer  wieder, dass Wiesen und Weiden mehr sind als nur Gras. Sie sind Gabe und Aufgabe. Wir leben von ihnen. Die Erntekrone ist die Krönung des Jahres.

 
 

Praxisbeispiel Höhenlandwirtschaft im Südschwarzwald

Markus Wangler - Haldenmichelhof, Breitnau
Markus Wangler, Agrarbetriebswirt, stellte zunächst seinen Betrieb, den Haldenmichelhof in Breitnau (in1000m Höhe) vor. Er bewirtschaftet mit seinen Eltern einen 70 ha Betrieb, wovon ca. 34 ha Wald sind. Insgesamt besitzt er 35 Kühe plus Nachzucht, die im Boxenlaufstall gehalten werden. Darüber hinaus arbeitet er im Wald. Zum Betrieb gehören vier Ferienwohnungen. Der jährliche Hiebsatz beträgt 280 Festmeter.

Marcus Wangler bewirtschaftet seine Grünlandflächen intensiv. Er führt drei Schnitte im Jahr durch und einen zusätzlichen Weidegang.

Seiner Meinung nach müssten die Steilflächen besser gefördert werden und die Fördergelder für die landwirtschaftlichen Flächen sollten dem Bewirtschafter zugutekommen und nicht dem Eigentümer. Er ist der Meinung, dass die Offenhaltung der Landschaft nur durch Viehhaltung möglich sei, und appellierte deshalb an die Akzeptanz der Gesellschaft für den Gülletransport, aber er wünschte sich auch mehr Sensibilität der Berufskollegen gegenüber der Gesellschaft, wenn sie Gülle ausbringen.

 
 

Praxisbeispiel Grünlandwirtschaft im Odenwald

Walter Leibfried - Neunkirchen
Walter Leibfried, Landwirtschaftsmeister aus Neunkirchen bewirtschaftet einen Betrieb mit 65 Milchkühen  und 90 Stück Jungvieh. Er ist weiterhin Geschäftsführer beim Maschinenring Mosbach. Er bewirtschaftet seinen Betrieb mit seiner Frau und seinen Schwiegersohn.

 
 

Podiumsdiskussion

Sind Wiesen und Weiden mehr als nur Gras?
Teilnehmer: Wangler, God, , May-Stürmer, Thumm
Moderator: Witter

Gottfried May- Stürmer, Agrarreferent des BUND Baden-Württemberg, stellte fest, dass die artenreichen Wiesen sehr stark zurückgehen. Sie sind entweder bedroht durch Umbruch, durch Bauland oder durch Nutzungsaufgabe. Er stellte fest, dass das Grünland nur durch Nutzung zu erhalten sei. Er bewertete das neuere FAKT-Programm positiv und forderte eine ergebnisorientierte Förderung für die Landwirtschaft. Die Förderung dürfe sich nicht nach einem fixen Datum orientieren, sondern nach denen zu erreichenden Zielen. Im Großen und Ganzen sei in der Agrarpolitik Vertrauen verspielt worden, dies müsse wieder zurückgewonnen werden.

Hubert God vom Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband, Freiburg, stellte fest, dass das Grünland Ergebnis von landwirtschaftlicher Tierhaltung sei. Er ist der Meinung, dass das Grünland durch die Entwicklung von erdölbasierten Stoffen unter Druck gekommen sei. Der Einsatz von synthetischem Dünger und Kraftstoffen habe dazu beigetragen, den Ackerbau zu intensivieren und das Grünland zurückzudrängen. Eine andere Ursache für den Rückgang des Grünlandes sah er im zunehmenden Import von landwirtschaftlichen Produkten. Er war der Meinung, dass zu einer Grünlandstrategie auch der Bau von Ställen gehören müsste.

Dr. Thumm fragte provokativ, ob nicht die Landschaft unserer Kultur entspräche. Die Kultur, die wir pflegen, sei auch eine Steuerungsgröße für die Kulturlandschaft.

Wangler sprach sich gegen eine Förderung von größeren Ställen aus; kleinere Stallbauten wie sie im Schwarzwald notwendig seien, befürwortete er.

Im Laufe der Diskussion wurden Förder-und Strukturfragen angesprochen, die Förderung von Stallbauten und die Forderung aufgestellt, dass zur Offenhaltung des Grünlandes Vieh notwendig sei und dies gefördert werden sollte.