Erklärung des KDL Baden zu den aktuellen Bauernprotesten

- 11.01.2024 - 

Der Kirchliche Dienst auf dem Lande der Evangelischen Landeskirche in Baden (KDL) solidarisiert sich mit den aktuellen Protesten der Bäuerinnen und Bauern und fordert die Rücknahme der geplanten Streichungen im Agrarsektor.

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Gott, unser Schöpfer, hat uns mit einer reichen Schöpfung beschenkt, die uns alle ausreichend ernähren und versorgen kann. Sie zu erhalten ist unsere Aufgabe und Verantwortung. Die Landwirtschaft leistet hierzu ihren wichtigen und erheblichen Beitrag.

Anlass der Bauernproteste im ganzen Land sind die beabsichtigten Streichungen der Agrardiesel-Rückerstattung und der Steuerbefreiung für landwirtschaftliche Fahrzeuge im Zuge der Haushaltseinsparungen der Bundesregierung. Wenn man den Landwirtinnen und Landwirten zuhört, ist dies aber nur der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Seit Jahren sammelt sich bei ihnen Wut, Frust und Resignation über ständig zunehmende Verordnungen, Vorschriften und Bürokratie; gleichzeitig beklagen sie eine abnehmende Wertschätzung seitens der Gesellschaft, des Handels und der Politik. Steigende Produktionskosten bei stark schwankenden oder sinkenden Erzeugerpreisen verringern die Wertschöpfung. Gute Konzepte liegen auf dem Tisch (Borchert-Papier, Zukunftskommission Landwirtschaft), werden aber nicht ausreichend und finanziell abgesichert von der Politik umgesetzt. Die Gesellschaft hat hohe Erwartungen an die Landwirtschaft, ist aber nicht bereit, angemessen dafür zu zahlen. Aus unserer Beratungsarbeit wissen wir: Diese Stimmung belastet die Betroffenen sehr und macht viele krank.

Der KDL ist davon überzeugt: Die aktuellen Bauernproteste stellen uns als Gesellschaft wieder in sehr drastischer Weise vor die Frage, welche Landwirtschaft wir in unserem Land brauchen und wollen.

Die Landwirtschaft in Baden ist durch kleine und vielfältige Strukturen geprägt – Voraussetzungen, die sie gerade für die Aufgaben der Zukunft braucht: Regionale Lebensmittelversorgung, Umwelt- und Klimaschutz, Tierwohl, weniger Chemie, dafür mehr Biodiversität, Erhaltung der Kulturlandschaft und Stärkung des ländlichen Raums. Dafür sind gesunde Familienbetriebe im Haupt- und Nebenerwerb notwendig, die in ihrer für Baden typischen kleinen und mittleren Größe besonders von diesen Streichungen betroffen und in ihrer Existenz gefährdet wären. Jährlich schließen viele für immer Stall- und Hoftor. Aber wer soll die nötigen Veränderungen angehen, wenn es diese Betriebe nicht mehr gibt?

Wir müssen uns klarwerden, was uns diese Form von Landwirtschaft wert ist. Das gilt für uns als Verbraucherinnen und Verbraucher, als Verantwortliche in Politik, Wirtschaft und Handel, aber auch für uns als Kirche. Sind wir bereit, sie so auszustatten – finanziell wie ideell – dass sie ihre wichtigen Aufgaben für uns wie für die gesamte Schöpfung Gottes nachhaltig für eine lebensfördernde Zukunft erfüllen kann?

Die geplanten Streichungen müssen jetzt zurückgenommen werden. Dann aber sind zügig von allen Beteiligten die vielen weiteren Probleme und Themen anzugehen und im konstruktiven Dialog zu lösen. Das Ziel muss eine zukunftsfähige Landwirtschaft sein, die ihre Aufgaben erfüllen kann und von
der die Menschen in ihr gut und gesund leben können. Der KDL ist bereit, daran tatkräftig mitzuwirken und mit seinen Möglichkeiten wie Moderation, Vermittlung, Bildung und Beratung zu helfen.

Quelle: Kirchlicher Dienst Land, Evang. Oberkirchenrat, Blumenstr. 1-7, 76133 Karlsruhe