Hermann Witter: Gedanken zur Jahreslosung

beim BezirksLandFrauentag in Ehrenkirchen am 11.02.2017

Verehrte Frau Vorsitzende,
liebe Landfrauen,
meine Damen und Herrn!
Vielen Dank für die Einladung zu ihrem Landfrauentag.
Luise Blattmann musste mich nicht lange überreden, um zu Ihnen zu kommen. Ich komme gerne, weil ich Ihnen gerne ein paar freundliche, mutmachende Worte mit auf den Weg geben will.
Das biblische Wort, das über 2017 steht, stammt aus dem Mund des Propheten Hesekiel. Er lebte ca. 600 v.Chr. Die Zeiten waren nicht lustig. Die Oberschicht von Jerusalem wurde von den Babyloniern in die 40 jährige Gefangenschaft nach Babylon, also den heutigen Irak geführt. Er war dabei. Die frommen Leute damals verstanden diese Gefangenschaft als Strafe Gottes, weil sie nicht so gelebt hatten, wie sie es hätten tun sollen.
Während der Prophet über die verfahrene Situation nachdenkt und wie sie da herraus kommen spricht Gott zu ihm: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Hesekiel 36,26

Das heißt doch: Leute ihr braucht einen vollkommenen Neuanfang. Ihr schafft das nicht allein. Ich helfe euch dabei. Ich gebe euch ein neues Herz und ein neues Denken.

Liebe Landfrauen, meine Damen und Herrn,
Ja, wer wünscht sich das nicht, noch einmal ganz von vorne anfangen zu können und die alten Fehler vermeiden.
Im Laufe des vergangenen Jahres saß ich an manchen Küchentischen. Und wenn ich an einige Gespräche denke, da höre ich im Geiste manche Ehefrau, manchen Ehemann klagen und sagen: Mein Mann/ Frau, meine Tochter / mein Sohn, mein Nachbarn, oder die Kollegin am Arbeitsplatz hätte dringend ein neues Herz und einen neuen Geist nötig.
Dabei ist das mit dem neuen Herzen, gar keine so einfach Sache.
Wenn wir das Wort Herz hören, denken wir nicht nur an die Pumpe – übrigens dieses Jahr jährt es sich zum 50. Mal, dass ein menschliches  Herz verpflanzt wurde, damals in Kapstadt.
In unserem Kulturkreis gilt das Herz als Sitz des Mutes, der Seele, Gefühle und Leidenschaften.
Nicht so im Alten Testament. Im Alten Testament versteht man das Herz als mehr als Sitz des Verstandes und der Vernunft und nicht der Emotionen und der Romantik.
Und wenn wir jetzt noch einmal das Wort von Ezechiel hören und dann statt Herz, Denken und Vernunft einsetzen, dann kommt plötzlich diesem Satz eine Bedeutung zu, die so richtig in unsere Zeit passt. „Ich will euch ein neues Denken und einen neuen Geist geben.“
Doch, ich bin manchmal richtig sprachlos, wie goldrichtig dieser biblische Vers zu unserer aktuellen Problemlage passt. Wo könnten wir nicht überall ein neues Denken in den Herzen brauchen.
Wenn ich da an die aktuelle politische Lage auf der Welt und in Europa denke, da fallen mir eine ganze Reihe von Leuten ein- nicht nur der Enkel eines Pfälzer Friseurs und Gastronomen, - die ein neues Herz und einen neuen Geist nötig hätten.
Ich denke, ein neues Denken brauchen wir auch im Verhältnis zu den Menschen islamischen Glaubens, die nun hier sind.
Vor knapp vier Wochen hatten wir in St. Ulrich eine Tagung unter der Überschrift: Fremd im Dorf – aus Flüchtlingen werden Nachbarn.
Unter anderem ging es um die Fragen: Was glauben Moslems? Passt der Islam zu unserem Grundgesetz? Wie sieht es mit der Gleichberechtigung von Mann und Frau im Isalm aus?

Neben einem Referenten des Landesamtes für Verfassungsschutz, hatte ich auch einen Islamwissenschaftler von der Pädagogischen Hochschule Freiburg eingeladen, der dort islamische Religionslehrer ausbildet. Er sollte uns eine Einführung in den Isalm geben.
Was er vortrug hat mich tief beeindruckt. Er sagte: wir brauchen einen Islam der grundgesetzfähig ist, wir brauchen einen Islam der sich zur Demokratie und der Gleichberechtigung der Frau bekennt. Er benannte auch die Widerstände, die es innerhalb der Moscheegemeinden gibt, besonders unter den Konservativen, um eine zeitgemäße Interpretation des Korans zu zulassen.

Er bat uns Christen, besonders unsere Kirchen, diese Reformkräfte innerhalb des Islams zu unterstützen, von denen es zwar noch nicht viele gibt, aber schließlich so sagte er augenzwinkernd, habe Luther in Deutschland ja auch klein angefangen.
Uns einzelne Christen bat er unseren Glauben zu zeigen, damit die Moslems sehen, wie man als Christ lebt, was christliche Werte sind und wofür wir eintreten.
Es ist doch verrückt: da kommt ein Moslem und sagt uns Christen lebt euren Glauben. Ein christliches Gegenüber zu haben sei für sie wichtig, damit sie erkennen, welche Werte in einem christlichen Land gelten und wonach sie sich orientieren sollen.
Ich glaube, er hat recht.

Liebe Landfrauen, meine Damen und Herrn,
ich glaube es tut unserem Land gut, wenn wir als Christen eindeutiger zu unseren Wurzeln und Werten stehen. Nicht im Sinne eines Fundamentalismus, so nach dem Motto hier steh ich, ich kann nicht anders. Nicht im Sinne des Oberlehrers, der alles besser weiß, (schaut her ich mach’s euch vor).
Ich glaube es ist besser, wenn wir für unseren Glauben werben: mit guten Taten, mit freundlichen Gesten, mit einem guten Wort.
Den neuen Geist, den Gott schenkt, der spürt man in sich selbst. Er äußert sich als: Hoffnung, Zuversicht, Liebe – und vor allem keine Angst mehr, weder vor Überfremdung, noch vor Flüchtlingen, noch vor Schwarzmalern, sondern im Mutigen und Vertrauensvollen nach vorne schauen.
Gottes Segen für Sie, für Haus und Hof, für Ihre Lieben in der Nähe und in der Ferne.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Hermann Witter