Im Westen von Deutschland galt der bäuerliche Familienbetrieb jahrzehntelang parteiübergreifend als das Leitbild der Gestaltung von Agrarpolitik und als gesellschaftlich und volkswirtschaftlich erwünscht und anerkannt. Dafür gab es ganz verschiedene Gründe, wie z.B. weil er Werte, Familie und Tradition hochhielt, aber auch Nachhaltigkeit im ökologischen wie im sozialen Sinn garantierte, eine breite Eigentumsstreuung ermöglichte und andererseits aber auch ökonomische Effizienz und Robustheit gewährleistete.
Spätestens seit der Wiedervereinigung wird dieses Leitbild hinterfragt und in Frage gestellt. Ist nicht das große Agrarunternehmen in Form einer Genossenschaft, GmbH oder Aktiengesellschaft nicht in einer dynamischen, globalen Welt ökonomisch effizienter? Sind nicht die großen Unternehmen genauso in dem sozialen Umfeld eingebunden? Halten sie nicht genauso wie die bäuerlichen Familienbetriebe die Verordnungen im Bereich Düngung, Pflanzenschutz oder Tierschutz ein?
An welchem Leitbild soll sich die Politik also orientieren – wenn es überhaupt noch ein Leitbild für die Gestaltung der Agrarpolitik gibt? Tatsache ist: Fast 90% der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland sind „noch!“ Personengesellschaften oder Einzelunternehmen.






