Bericht der Internationalen Handwerkermesse
Über den evangelischen Verband Kirche Wirtschaft Arbeitswelt und der Arbeitsgemeinschaft „Handwerk und Kirche“ war es Erich Schuh möglich, an der Internationalen Handwerkermesse in München teilzunehmen.
Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, Dieter Vierlbeck, lud den Vorstand zu einer Vorstandssitzung in die Räume der Handwerkskammer ein. Dieter Vierlbeck, als Geschäftsführer der Kammer, nutzte die Gelegenheit mit uns zusammen die Messe zu besuchen.

Der Kongress und die Messe in München sind ein tolles Erlebnis für den Vorstand der Arbeitsgemeinschaft. Zutritt zur großen Eröffnungsveranstaltung im Kongresszentrum ist nur über eine persönliche Autorisierung möglich. Der gut gefüllte Kongresssaal stand unter der Erwartung der Auftritte der Handwerksspitze, der Bundespolitik und des gastgebenden Freistaates Bayern.
Durch den Präsidenten des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, Jörg Dittrich, Dachdeckermeister, wurden die Sorgen und Nöte des Handwerks an die Politik herangetragen.
Der Ministerpräsident des Freistaates Bayern, Dr. Markus Söder, verstand es in seiner unnachahmbaren Art die Errungenschaften für das Handwerk in Bayern zu präsentieren.
Mit Spannung wurde die Rede von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche erwartet. Sie war auch die Schirmherrin der gesamten Veranstaltung.
Dem Forderungskatalog des Handwerks standen die Errungenschaften der Politik gegenüber. So blieb es den honorigen Zuhörern selbst überlassen sich ein Bild zumachen zwischen Traum und Wirklichkeit. Wobei der Freistaat Bayern ordentlich mit Ergebnissen vorlegte. Die Bundesregierung blieb mit Versprechungen und angedachten Änderungen hinter den Erwartungen zurück. Nun, in München haben halt die Hausherren die politische Nase vorn, und Berlin ist weit weg.
Der Forderungskatalog für das Handwerk wurde von Jörg Dittrich mit Herzblut vorgetragen. Da stand die übermächtige Bürokratie im Mittelpunkt. An dieser Stelle müsse sich noch viel bewegen. Es kann nicht sein, dass die handwerklichen Fähigkeiten durch die Büroarbeiten aufgefressen werden. Handwerk ist Arbeit und die Bürokratie muss auf ein Mindestmaß heruntergefahren werden. Es folgte ein großes Thema: Die Erbschaftssteuer.
Was in den Handwerksbetrieben von den Eltern hart erwirtschaftet wurde, darf vom Staat bei einer Betriebsübergabe an die nächste Generation nicht durch Erbschaftssteuer kaputt gemacht werden. Ebenso darf der digitale Fortschritt dem Handwerk nicht vorenthalten werden. Die überbetrieblichen Ausbildungsstätten leiden unter einem enormen Investitionsstau. Als sie vor 50 Jahren ins Leben gerufen wurden, waren dies hochmoderne Einrichtungen. Doch wurde es versäumt in dieser Zeit eine Modernisierung anzuschieben. Im gleichen Zuge veralteten auch die Berufsbilder. Das Fortschreiben und Erneuern der Berufsbilder müssen beschleunigt und schneller dem Markt angepasst werden.
Ein Schlussstatement:
Handwerk darf die Zukunft nicht verschlafen.
Natürlich hatte die Politik darauf die „geeigneten“ Antworten. So punktete Markus Söder mit dem Tag des Handwerks an allen bayrischen Schulen. So ist für ihn auch selbstverständlich, dass die Meisterkosten erstattet werden. Es darf nicht sein, dass ein Studium billiger zu haben ist als ein Meistertitel. Dabei ging es auch um die Gleichstellung des Meistertitels mit einem Master.
Von der Bundespolitik war von Frau Reiche zu erfahren, dass mit ihr eine Änderung der Erbschaftssteuer nicht zu machen ist. Der Bürokratieabbau sei eine besondere Sache und man könne nicht alles auf einmal erreichen. Bürokratie müsse Schicht für Schicht abgetragen werden, so wie sie auch entstanden ist. Ein weiteres Thema war für sie, die Neuregelung des Mutterschutzes für Unternehmerfrauen. Konkretes habe ich nicht vernommen.
Nun noch ein paar Eindrücke von der Messe und dem Kongress:
Der Kongress war geprägt von vielen Workshops, Vortragspodien und Mitmachportalen. Hier waren vor allen Dingen die Schüler gefragt. Dort, wo es was zu Werkeln gab, bildeten sich die Trauben von Schülern. Wo kann man schon einen großen Nagel in einen Balken einschlagen. Oder eine neue Frisur am Übungskopf ausprobieren? Ein Mosaik bei den Fliesenlegern gestalten – und auch noch mit nach Hause nehmen. Das ist doch was? Oder? Bei den Podien ging es oft um Künstliche Intelligenz, Modernisieren und Heizen in der Zukunft.
Auf dem Kongress hatte die Arbeitsgemeinschaft „Kirche und Handwerk“ einen eigenen Stand. Dies wurde möglich durch das neue Format von Kongress und Messe und die gute Zusammenarbeit mit der Handwerksammer München durch Dieter Vierlberck. Die Kosten für unseren Stand trägt der Verband Kirche Wirtschaft Arbeitswelt.
Ohne den Verbraucher mit ins Boot zu nehmen sind solche Großmessen fast unbezahlbar geworden. So hat sich das neue Format zusammengesetzt aus: Internationaler Handwerksmesse mit dem dazugehörigen Kongress, der Messe „Haus und Dach“, der „Food Life“ und der Messe „Garten München“.
Die Fülle der Eindrücke aus diesem Tag sind herausfordernd. Dieses besondere Erlebnis hinterlässt natürlich seine Spuren. Einen kleinen Teil konnte ich in diesem Artikel zu Papier bringen.
Dass Kirche in diesem neuen Format von Messe und Kongress sichtbar werden konnte, finde ich großartig.
So trug der Stand den Slogan:
Handwerk und Kirche – Partnerschaft mit Zukunft.
Nochmals zurück zu Auftaktveranstaltung:
Gott schütze das ehrbare Handwerk!
Damit beginnen Handwerker heute noch ihr Tagewerk – nicht nur in Bayern.
Erich Schuh, April 2026
- Pfarrer Dr. Jochen KunathLeitung Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt / Studienleiter Arbeitswelt und Wirtschaft Evangelischen Akademie





