Im digitalen Labyrinth: Rechtsextreme Online-Subkulturen
Online-Vortrag der Reihe „Unsupervised Thinking / Unüberwachtes Denken“
Rechtsextreme Internetnutzer tummeln sich in einer Netz-Nische namens Alt-Tech, um dort ihre Ideologien zu verbreiten, sich zu vernetzen, neue Anhänger zu gewinnen und Angriffe auf politische Gegner zu organisieren.


Dominik Hammer vom Institute for Strategic Dialogue

„Sie wollen im Netz Raum greifen und diesen sichern“, sagt Dominik Hammer, Forschungsleiter beim Institute for Strategic Dialogue. Er analysiert diesen Bereich seit Jahren und gibt im Rahmen seines Zoom-Vortrags bei „Unsupervised Thinking“ Einblicke in die rechtsextreme Online-Subkultur.
Deplatforming und Radikalisierung
Plattformen wie Gab, 4chan, Odysee, PeerTube oder Telegram könnten zur Radikalisierung beitragen, da sie weniger streng reguliert werden als andere, so Hammer. Sie sind oft aufgrund von „Deplatforming“ entstanden, wenn also Nutzer*innen von größeren Plattformen ausgeschlossen wurden, weil sie gegen Regeln verstoßen haben. Das hat zur Alt-Tech-Bewegung und zur Schaffung eigener Plattformen mit minimaler Moderation geführt. Ein Beispiel: Das Video-Portal Odysse. Hier sind – neben vielen unpolitischen Inhalten wie harmlosen Reise- oder Kochvideos – auch Holocaustleugnungen, extremistische Manifeste, Lifeshootings oder Aufnahmen von Amokläufen zu finden.
Telegram und Verschwörungsideologien
Auch der Messinger-Dienst Telegram ist wegen seiner technischen Eigenschaften und der zurückhaltenden Moderation bei Rechtsextremen beliebt. Die Plattform bietet verschlüsselte Kommunikation und ermöglicht Videocalls mit bis zu 1.000 Teilnehmer*innen. Hier tauchen Verschwörungsideologien wie die „Great Replacement“-Theorie auf, nach der weiße Europäer systematisch ersetzt werden sollen.
Mainstreaming und Hasskommentare
Durch die Online-Plattformen breiten sich extremistische Ansichten von „Fringe Communities“ (Randgruppen) auf breitere Bevölkerungsgruppen aus. Dieses Phänomen wird Mainstreaming genannt. „In diesem Zusammenhang beobachten wir seit Jahren eine Zunahme von Hasskommentaren, was dazu führt, dass viele Menschen seltener online kommentieren“, sagt Dominik Hammer. „Hate-Speech verdrängt also viele Stimmen von den Plattformen, das ist ein Problem für die demokratische Meinungsäußerung.“
Aktuelle Entwicklungen und Gegenmaßnahmen
In jüngster Zeit spielt auch die Künstliche Intelligenz (KI) eine zunehmende Rolle bei der Erstellung von Propaganda, von Texten und Memes bis hin zu Deepfake-Videos. Zur weiteren Information über diesen sogenannte „Misperception Content“, der darauf ausgelegt ist, die Menschen zu manipulieren, empiehlt der Referent die Lektüre des aktuellen VOX-Pol-Reports.
Um der wachsenden Bedrohung durch rechtsextreme Online-Subkulturen auf wenig regulierten Plattformen zu begegnen, empfiehlt Dominik Hammer umfassende Maßnahmen: Klare Melde-Mechanismen, Gemeinschaftsrichtlinien, umfassenden Forschungszugang zur API und eine zentrale Ansprechperson für gerichtliche Verfahren.
Manches regelt auch das wirtschaftliche Interesse: „Viele, die als alternative Plattformen gestartet sind, haben begonnen, sich selbst Regeln zu geben, um profitabel zu sein und große Werbetreibende anzuziehen“, so Dominik Hammer. „Firmen wie Nike möchten ihre Schuh-Werbung nicht neben Videos über Kriegsverbrechen aus Syrien zeigen.“
Manches regelt auch das wirtschaftliche Interesse: „Viele, die als alternative Plattformen gestartet sind, haben begonnen, sich selbst Regeln zu geben, um profitabel zu sein und große Werbetreibende anzuziehen“, so Dominik Hammer. „Firmen wie Nike möchten ihre Schuh-Werbung nicht neben Videos über Kriegsverbrechen aus Syrien zeigen.“





