Klimaschutz nur, wenn er den Geldbeutel schont?

Online-Diskussion in der Reihe „Gott würfelt nicht“ (21.3.24)

Wir müssen im Kleinen wie auch gesamtgesellschaftlich der Rettung unserer Lebensgrundlagen absolute Priorität einräumen, statt einem wirtschaftlichen Kick nachzugeben!

Felder, See und Himmel
Wirtschaft und Klimawandel, das sind zwei Top-Themen, über deren Zusammenhang sich viele Menschen aus Politik, Gesellschaft und Kirche jeden Tag den Kopf zerbrechen. Wie sich beide Felder zueinander verhalten, sich ausschließen, ergänzen oder gar befördern, war der Horizont des Online-Forums.
 
Den Teilnehmenden ging es aber vor allem um die individuelle und persönliche Ebene: Was können wir als Einzelne machen, damit die Klimaziele erreicht werden? Oder, besser: Was hindert uns als Einzelne daran, genügend für den Klimaschutz zu tun?
 
In der Runde herrschte Übereinstimmung, dass wir hier ein Umdenken brauchen, eine Umkehr zur Vernunft und ein neues Bewusstsein. Dabei müsse jede*r bei sich selbst anfangen und Egoismus, Bequemlichkeit, Verwöhntsein und Lobby-Denken überwinden. Es gehe darum, im Kleinen wie auch gesamtgesellschaftlich der Rettung unserer Lebensgrundlagen absolute Priorität einzuräumen, statt einem wirtschaftlichen Kick nachzugeben!
 
Diesen „Klick im Kopf“ kann man nicht erzwingen. Aufklärung und Appelle genügen anscheinend nicht und offenbar reicht es auch nicht aus, dass wir die negativen Konsequenzen des Klimawandels bereits spüren. Auch wirtschaftliche Impulse verstärken eher den Fokus auf den eigenen Geldbeutel.
 
Es gebe dennoch – so die Teilnehmenden – viele positive Ansätze, mit denen Gesellschaft und Politik, einzelne Gruppen und Bürger*innen die Klimaziele erreichen wollen: Ob das zum wirklichen Umdenken ausreicht? Ein möglicher Booster könnte sein, die Zurückhaltung beim Ressourcenverbrauch als etwas Positives zu sehen – Verzicht kann einen Gewinn auf anderer Ebene bedeuten.
 
Diese transpersonale Transformation von Verzicht und Gewinn entspricht einer Grundhaltung, die im Christentum lebendig ist: In der eigenen Lebenshingabe wird anderes Leben bewahrt. Paradoxerweise zum derzeitigen Weltgefühl erwarten Christ*innen nicht den Weltuntergang, sondern das vollgültige Kommen Gottes. Dieses Reich Gottes bedeutet ein Absterben der alten Welt und ein Werden der neuen. Das ist der große Klick. Auf diesen hin zu leben bedeutet, an ihm mitzuarbeiten, alles schon in Gottes Licht zu sehen. 
 
(Dies ist ein zusammenfassendes Statement der Veranstaltung am 21. März 2024 von Dr. Jochen Kunath, Fachbereichsleiter Arbeitswelt und Wirtschaft der Evangelischen Akademie Baden)