Japan – das Königreich der Roboter
Online-Vortrag der Reihe „Unsupervised Thinking / Unüberwachtes Denken“
Die Religionswissenschaftlerin und Japanologin Natascha Macho (Uni Heidelberg) spricht vor Studierenden der Hochschule Offenburg und anderen Interessierten über die bedeutende Rolle, die Roboter in Japan spielen.



Dies lasse sich durch den Animismus erklären, der dort seit langer Zeit lebendig ist – der Glaube also, dass nicht nur Menschen, sondern auch Dinge eine Seele haben. „In jüngerer Zeit hat sich daraus ein Techno-Animismus entwickelt, der Maschinen als beseelt ansieht“, erklärt Natascha Macho.
Besondere Ausprägung japanischer Robotik
Die Aufgeschlossenheit gegenüber Robotik wird in Japan laut der Referentin gezielt von Politik und Wissenschaft gefördert. Roboter sollen nicht als bedrohlich angesehen werden, wie es im euro-amerikanischen Raum oft zu beobachten ist. Vielmehr sollen sie Antworten auf gesellschaftliche Herausforderungen geben.
„Den ersten japanischen Robotern wurde explizit zugeschrieben, gefühlvoll zu sein“, sagt Natascha Macho. Zu dieser Entwicklung habe auch Astro-Boy beigetragen, ein bekanntes Manga-Comic aus den 1950er- und 60er-Jahren. Es handelt von einem jungen Androiden mit menschlichen Emotionen und traurigem Schicksal, der Schwierigkeiten überwinden muss und sich gegen Unrecht zur Wehr setzt.
Gezielte Interaktionen mit Menschen
In der einzigartigen japanische Art der Robotik hätten Emotionen Vorrang vor der Rationalität, fasst Natascha Macho zusammen. Als Folge strebe man bei der Konstruktion von Künstlicher Intelligenz eine enge Beziehung zwischen Mensch und Maschine an. So brachte etwa Sony 1999 den Hunde-Roboter Aibo auf den Markt, der in seiner aktuellsten Version aus Interaktionen mit Herrchen und Frauchen lernt und daraus eigene Eigenschaften entwickelt.
Qoobo, ein katzenähnliches Kissen mit wedelndem Schwanz (aber ohne Kopf!), lässt sich gern streicheln. Durch Interaktion soll das plüschige Gerät eine Bindungen zu seinem Menschen aufbauen und bei diesem Gefühle hervorrufen. „Der Hersteller sagt, das könne sogar eine therapeutische Wirkung haben“, so Natascha Macho.
Roboter sollen Emotionen wecken
Den Assistenzroboter Pepper kennt man auch in Europa. Er ist der erste emotionale humanoide Roboter der Welt und darauf programmiert, menschliche Mimik und Gestik zu analysieren und passend darauf zu reagieren. Auch mit ihm wird also eine enge Mensch-Roboter-Beziehung angestrebt, genau wie mit Lovot, der auf dem Schoß sitzt wie ein Kleinkind – inklusive natürlicher Augenbewegungen wie Blinzeln und Pupillenerweiterung. „Seine Berührungssensoren sollen eine Art Mutter-Kind-Beziehung simulieren“, weiß die Referentin.
Angesichts dieser Menschenähnlichkeit haben im Anschluss an den Vortrag einige Zuhörer Fragen: Ob es in Japan schon Gesetze gegen Gewalt an Robotern gebe (Antwort: noch nicht, aber dazu gebe es Überlegungen), ob Roboter dort als vollwertige Partner des Menschen angesehen werden (Antwort: Dieses Bild wird im populären Diskurs verbreitet, ein Politiker fordere gar, dass Partnerschaften zu Robotern denen zwischen Menschen gleichsetzen werden).
Nicht zuletzt sind auch die Kaufpreise der vorgestellten Roboter von Interesse: Das Katzen-Kissen kostet 100 Euro, weiß Natascha Macho und schlägt die weiteren Kostenpunkte spontan online nach: Der Lovot mit seinen vielen Sensoren schlägt mit 2.700 Euro zu Buche, für einen Pepper werden immerhin 20.000 Euro fällig.





