Warum es eine Ethik für Roboter braucht

Online-Vortrag der Reihe "Unsupervised Thinking"

Verantwortung ist die Fähigkeit, Rede und Antwort stehen zu können, so Referentin Janina Loh. Diese setzt Kommunikationsfähigkeit, Handlungsfähigkeit und Urteilskraft voraus. Die Elemente, zwischen denen sich Verantwortung abspielt, sind Subjekt, Objekt, Instanz und Adressat*in.

Janina Loh lächelt in die Kamera
Janina Loh skizziert drei Arbeitsfelder der Roboterethik: Mal werden Roboter als passive Träger moralischer Rechte und Werkzeuge des Menschen betrachtet. Es gibt auch einen Blick auf Roboter als aktive Träger*innen moralischer Pflichten und intelligente, bewusste und autonome Wesen.
 
Roboter als verantwortliche Wesen?
Als drittes Feld nennt die Wissenschaftlerin „inklusive Ansätze“, die eine Subjekt-Objekt-Spaltung hinterfragen und den Kreis der moralischen Handlungssubjekte um nichtmenschliche Akteur*innen erweitern. „Darin kann man Verantwortung nicht mehr einem einzelnen Wesen zuschreiben, sondern dem Zusammenspiel unterschiedlicher Akteur*innen.“
 
Zwei Bereiche der Robotik bieten sich für ethische Fragen an: Industrierobotik und Robotik in Medizin, Therapie und Pflege. Erstere betrachte Roboter als künstliche Sklaven, weil man in der Digitalisierung und Automatisierung menschlicher Arbeitswelten (Industrie 4.0) weitestgehend von der Interaktion der Roboter mit Menschen absehen kann.
 
Emotionale Bindung an Menschen
In der Pflege hingegen, wo Therapieroboter die Kommunikation mit Patienten fördern, tauchen Fragen nach deren Autonomie auf, oder auch nach dem Design der Maschinen (das eine emotionale Bindung an den Menschen intendiert) sowie nach Datensicherheit und Gestaltung (menschlicher) Pflegeberufe.
 
Im anschließenden Gespräch stellen einige Teilnehmende interessierte Nachfragen, etwa zu Gefahren und Chancen von Sexrobotern. Referentin Loh erklärt, dass hier die Meinungen auseinander driften: „Während die einen ein Verbot fordern, weil Sexroboter oft weiblichen Stereotypen nachempfunden sind und damit heteronormative Machtstrukturen unterstützen, gibt es auch liberalfeministische Argumente für eine positivere Sichtweise.“ Sie selbst findet: Ein Verbot würde das Symptom abschaffen und nicht das Problem.