Theo-Broker: kirchliches Spotlight auf die Börsenwelt

- 31.03.2025 - 

Aktueller Kommentar von Pfarrer Dr. Jochen Kunath (März 2025)

Unser Fachdienstleiter "Arbeitswelt und Wirtschaft" wirft einen kirchlichen Blick auf aktuelle Entwicklungen an den Märkten. In diesem Monat hinterfragt er die Auseinandersetzung um das heiß diskutierte Sondervermögen, zieht Parallelen zwischen der Börse und der aktuellen Koalitionsbildung und erinnert uns an die Bedeutung von Ostern. 

Theologe auf dem Börsenparkett
500 Milliarden Euro Sondervermögen für die Infrastruktur – eine enorme Summe. Sie ist notwendig und nicht für die "normalen" Dinge und Nöte des regulären Haushalts bestimmt. Die Wirtschaft atmet vorsorglich auf: So geht es wieder bergauf! 
 
Kaum stehen die 500 Milliarden im Raum, strecken schon alle die Finger in die Höhe: ich will, ich will, ich will. 
 
Die Börse ist im Grunde furchtbar einfach, ja zweidimensional: Es geht am Ende jedes Tages um Plus oder Minus, um Fallen oder Steigen, um Sieger oder Gewinner. 
 
Um bei den Gewinnern der 500 Milliarden zu sein, strecken also alle die Finger in die Höhe, wie in einer Schulklasse: Wissing, Deutscher Lehrerverband, Städtetag, Bentele und weitere. Alle für sich berechtigt. 
 
Aber die Welt ist mehrdimensional, grau und bunt – und eben keine Schulklasse. Die zukünftigen Koalitionäre diskutieren aktuell noch nicht um das Ausgeben der 500 Milliarden, sondern um den normalen und engen Haushalt. Jeder hat sein Steckenpferd (ein anderes Wort für „den Finger oben“) und Kompromisse fallen extrem schwer. 
 
Bis Ostern soll die Koalition stehen und eine Politikwende sein, so ähnlich wie beim Börsenschluss. Die Börsenglocke läutet. 
 
Ostern heißt: Vor der Auferstehung kommt der Tod. Und Tod heißt: Finger unten lassen, zumindest stillhalten. Am Kreuz steht Gott für die Ohnmächtigen und Stillen unserer Gesellschaft ein. Die stehen nicht hoch im Kurs. Für sie hebt er seine Finger.