Im Check mit Chatbots: Kann KI Ethik?
Vortragsabend der Reihe „Unsupervised Thinking / Unüberwachtes Denken“
Gleich zu Beginn ihres Impulsvortrags formuliert Prof. Dr. Larissa Krainer die These, dass die Automatisierung von Kommunikation mit einem automatischen Verlust von Ethik einhergehe. Die Mitbegründerin des IMEC (Interdisciplinary Mediaethics Centre) legt ihre Untersuchungen dazu knapp und eingängig dar.


Die Hybrid-Veranstaltung vereint ein gemischtes Publikum: Dr. Gernot Meier, Akademiedirektor der Evangelischen Akademie Baden, schaltet sich zusammen mit Studierenden des Fachs Angewandte Künstlichen Intelligenz aus der Hochschule Offenburg zu, weitere rund 20 Personen nehmen direkt aus ihren Büros oder Wohnzimmern teil.
Kommunikation zwischen Menschen und mit Maschinen
Drei ethische Ansprüche definiert die Medien- und Kommunikationswissenschaft für die direkte zwischenmenschlichen Kommunikation: Allen am Diskurs Beteiligten wird zugesprochen, erstens die Wahrheit von Aussagen, zweitens die Wahrhaftigkeit von Aussagen und drittens die Richtigkeit von Handlungen beurteilen zu können (nach Jürgen Habermas).
Ob die Ansprüche an ethische Kommunikation auch im Austausch eines Menschen mit einer KI gelten können, untersucht Larissa Krainer vor allem in zahlreichen praktischen Interaktionsbeispielen mit Chatbots wie Kuki und Replika.
Ist Simulation ohne Täuschung möglich?
Ähnlich wie beim Vertrauensgrundsatz im Straßenverkehr haben wir gelernt, in der Kommunikation zu vertrauen. Dieses Vertrauen in KI ist allerdings nicht gerechtfertigt.
Denn die untersuchten Chatbots bekennen zwar, Maschinen zu sein, geben aber gleichzeitig vor, Gefühle zu haben. Laut Prof. Krainer liegt hier bereits eine Täuschung vor, da KI faktisch keine Gefühlsregungen empfinden kann. Bedenklich, findet sie, da uns dadurch nur wenig bewusst ist, dass uns eine Maschine gegenübersteht.
Auf die Einhaltung von ethischen Diskursregeln dürfe bei Chatbots nicht vertraut werden. Man könne mit Chatbots zwar Worte wechseln, dadurch allein seien sie aber noch nicht diskursfähig, erklärt die Forscherin.
Echter Austausch
Wie vermenschlicht wir Chatbots und KI-Kommunikation bereits wahrnehmen, wird im Austausch mit dem Publikum deutlich. Ob nicht auch der Mensch eine Täuschung begehe, wenn er in einem Experiment der KI den experimentellen Charakter verschweige, fragt zum Beispiel ein Zuhörer. Interessiert wird auch darum gebeten, nochmal nachzuschärfen, warum genau ein Bot eben nicht wahrhaftig sei.
Abschließend formuliert eine Teilnehmerin den Appell, als Gegenpol zur besprochenen Entwicklung als Gesellschaft wieder mehr echte Kommunikation zwischen echten Menschen zu leben. Dadurch werde das Risiko, durch KI-Kommunikation getäuscht zu werden, deutlich abgeschwächt.





