Leere Nikolausstiefel: Kinderarmut in Deutschland
Online-Diskussion in der Reihe „Gott würfelt nicht“ (6.12.23)
Laut einem aktuellen Bericht von Unicef-Deutschland lebt jedes fünfte Kind (etwa eine Million Kinder) in Armut oder ist davon bedroht. Dies bedeutet, dass am Nikolaustag theoretisch jeder fünfte Stiefel, den ein Kind vor die Tür stellt, leer bleibt.

Am Nikolaustag veranstaltete der KDA sein letztes Online-Forum des Jahres zum Thema „Kinderarmut in Deutschland“. Unter dem Titel „Leere Schuhe“ wurde die alarmierende Situation verdeutlicht: Laut einem aktuellen Bericht von Unicef-Deutschland lebt jedes fünfte Kind (etwa eine Million Kinder) in Armut oder ist davon bedroht. Dies bedeutet, dass am Nikolaustag theoretisch jeder fünfte Stiefel, den ein Kind vor die Tür stellt, leer bleibt.
Die Diskussion um Lösungen für Kinderarmut ist vielfältig und kontrovers, jedoch besteht Einigkeit darüber, dass Armut kein persönliches Versagen darstellt und nicht stigmatisiert werden darf. Die Bekämpfung der Armut sollte nicht als Almosen verstanden werden. Es ist unabdingbar, dass jedem Kind das ihm zustehende Existenzminimum tatsächlich zur Verfügung steht. Neben akuter Hilfe sind präventive Maßnahmen entscheidend. Kinderarmut darf sich nicht weitervererben, weshalb die strukturellen Ursachen bekämpft werden müssen.
Ein wesentlicher Punkt ist, dass genügend finanzielle Mittel bereitgestellt werden, damit kein Kind in Armut leben muss. Diese Mittel müssen auch effektiv gegen Armut eingesetzt werden. Kinderarmut betrifft nicht nur die materielle Versorgung, sondern auch die Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben. Kinder müssen als eigenständige Subjekte mit eigenen Ressourcen gesehen werden, deren Teilhabe gefördert werden sollte.
Die Prävention von Kinderarmut bedeutet einen gemeinsamen Ressourcenausgleich, bei dem das Heranwachsen von Kindern als fruchtbarer Prozess für die gesamte Gesellschaft gesehen wird. Dies entspricht der biblischen Vorstellung, in der Jesus Kinder in die Mitte stellt und ihre Bedeutung hervorhebt. Die Ressourcen, die Kinder mitbringen, mögen weniger ökonomisch sein, haben jedoch großen Wert.
Die Legende des Bischofs Nikolaus von Myra illustriert, wie Armut durch Aufmerksamkeit und Fürsorge bekämpft werden kann. Nikolaus hörte auf die Kinder und reiste in ein reicheres Land, um ihnen zu helfen. Die Gaben in die Schuhe der Kinder sind ein Ausdruck dieser Fürsorge und Wertschätzung. Aus christlicher Sicht sind sowohl Kinder als auch Erwachsene als begabte Menschen anzusehen, die gemeinsam an der Quelle des Lebens, Gott, teilhaben.
Das afrikanische Sprichwort „Um ein Kind aufzuziehen, braucht es ein ganzes Dorf“ unterstreicht, dass die Bekämpfung von Kinderarmut eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. Um sicherzustellen, dass kein Kind in Armut lebt, müssen alle Mitglieder der Gesellschaft gemeinsam handeln.
(Dies ist ein zusammenfassendes Statement der Veranstaltung am 6. Dezember 2023 von Dr. Jochen Kunath, Fachbereichsleiter Arbeitswelt und Wirtschaft der Evangelischen Akademie Baden)





