KI in der Arbeitswelt – werden wir bald ersetzt?
Vortragsabend der Reihe „Unsupervised Thinking / Unüberwachtes Denken“
Die 1659 erbaute Providenzkirche in der Heidelberger Altstadt wird zum Schauplatz für brandaktuelle Zunkunftsthemen und ihre Auswirkungen: Dr. Markus Schmitz (IBM) und Marko Albrecht (Appose) referieren über Künstliche Intelligenz in der Arbeitswelt.



Marko Albrecht ist Gründer der Firma Appose, die eine Anwendung für HR-Management entwickelt und betreibt. Sie trägt Millionen im Internet verfügbare Daten zusammen – etwa aus Stellenausschreibungen – und legt daraus Berufsprofile mit relevanten Skills an. Für seine Unternehmenskunden gleicht Appose diese Datenbank mit Kompetenzen der Mitarbeitenden ab. So wird klar, welches Know-how in einer Firma vorhanden ist und welches fehlt, um Projektteams zusammenzustellen.
Mitarbeitende geben ihre Daten preis
„Viele Stellen könnten intern besetzt werden, wenn Unternehmen die Fähigkeiten ihrer Beschäftigten besser kennen würde“, sagt Marko Albrecht. Um diese zu ermitteln, sei man darauf angewiesen, dass die Mitarbeiten etwas von sich preisgeben. „Allerdings sind viele Menschen skeptisch, sich einer Maschine zu öffnen, weshalb wir intensiv mit unseren Kunden reden und erklären, wie wir das machen.“
Als zweiter Referent gibt Dr. Markus Schmitz – Senior Advisor GenAI bei IBM – einen kurzen Überblick, wofür KI in anderen Unternehmen eingesetzt wird: In der Produktion (um Fehler zu erkennen), im Finanzbereich (um Betrug zu erkennen), im Bereich Sicherheit (zum Beispiel Gesichtserkennung), für Kauf-Vorschläge oder in autonomen Fahrzeugen. Am Beispiel von Adobe Firefly – einem generativen Machine Learning-Modell – führt Schmitz vor, wie ein Textbefehl binnen Sekunden aus einem sommerlichen Bild eine Winterlandschaft machen kann. „Stockfotografie dürfte sich dadurch stark reduzieren“, glaubt der KI-Experte. Auch Jobs wie Sachbearbeiter, Bankberaterin oder Kundenservice-Mitarbeiter wird es bald gar nicht mehr geben, glaubt er.
Viele Jobs fallen durch KI weg
„Was passiert dann mit den Menschen?“, fragt Moderatorin Barbara Klauß (Wirtschaftsredakteurin der Rhein-Neckar-Zeitung) in die Runde. „Filmschaffende gehen derzeit schon auf die Barrikaden.“ Ein Mann im Publikum bemerkt, es würden wohl kaum so viele Arbeitsplätze neu geschaffen werden, wie durch Künstliche Intelligenz wegfallen.
KI könne viele Berufe aber auch zum Positiven verändern, etliche Anwendungen könnten die Arbeit leichter und besser machen, versichern die Referenten. „Der Geist ist aus der Flasche, die Technologie ist da und viele wollen sie nutzen“, stellt Dr. Schmitz fest. „Wir KI-Entwickler müssen sicherstellen, dass das Ganze nicht aus dem Ruder läuft. Dafür braucht es einen kritischen Geist in Unternehmen.“ Marko Albrecht ergänzt: „Um nicht ersetzt zu werden, sollten Menschen auf Skills wie Veränderungsbereitschaft und Anpassungsfähigkeit setzen. Wenn wir dynamisch bleiben, lebenslang lernen und verstehen, dass Veränderung Teil des Lebens ist, können wir Technologiesprünge und Krisen gut verkraften.“





