
So war das bei unserem Empfang in „unserem“ Dorf. Ich war gerade dabei, die Worte in die entsprechende Schublade, auf der bäuerliches Standesgejammere steht, einzuordnen, wenn ich nicht in sein Gesicht geschaut hätte. Irgendwie hatte ich den Eindruck, er erwartete etwas von mir - doch was? Zum Theologen wurde ich ausgebildet und jetzt war ich auf einmal Dorfpfarrer. Was wusste ich über die Menschen, die hier leben? Über ihre Tradition, ihre Kultur, über das Sozialgefüge, über die Landwirtschaft und das Gewerbe?
Überdies war gleich nebenan ein weiteres Dorf, wie man so hörte, grundverschieden vom Ersten. Während meines Studiums tauchte das Thema „Dorf“ nur einmal am Rande auf, in einem praktisch-theologischen Seminar soziologischen Zuschnitts.Und im Petersstift kam Landwirtschaft auch nur in Form einerWeinprobe vor. Als junger Pfarrer konnte ich dem Ortsvorsteher so gut wie nichts auf seine Problemanzeige antworten.
Ich denke, er hat auch keine fachlichen Antworten bei mir gesucht. Wen er aber suchte, war jemand, der seine Probleme hörte, sie mitbedachte und mit ihm darüber ins Gespräch kommen wollte.
Umso wichtiger ist es, sich die Arbeit im Gemeindepfarramt nicht zu erschweren, indem man sich „daneben“ benimmt. Der Landpfarrer-Knigge möchte Ihnen helfen, nicht in alle Fettnäpfchen zu treten, die sich Ihnen in den Weg stellen.
Der „Knigge“ hält für zahllose Alltagssituationen Verhaltensregeln vor: Bei Tisch, Begrüßungsrituale, Kleiderordnung, Umgang mit dem anderen Geschlecht etc. Aber was sind die „Verhaltensregeln“ beziehungsweise „Notwendigkeiten sensibler Wahrnehmung“ für Pfarrerinnen und Pfarrer in ländlich geprägten Kirchengemeinden? -





