Schaffen wir jetzt die Wärmewende

KDA Südbaden veranstaltet Gesprächsrunde in Offenburg

Zu dieser Frage hatte Wirtschafts- und Sozialpfarrer Andreas Bordne vom KDA Südbaden zu Gespräch und Dialog im vertraulichen Rahmen in das Gemeindehaus der Stadtkirche Offenburg eingeladen.

Gasflamme
 
Im Vordergrund sollten nicht Positionierungen stehen, sondern die verschiedenen Sichtweisen auf diese Zukunftsfrage. Anlass für die Runde war die emotional hoch aufgeheizte Diskussion, die dem „Bundesgesetz für Erneuerbares Heizen“ vorausgegangen war.
Beteiligt waren Verantwortliche aus der kommunalen Verwaltung, der Banken, dem Handwerk, der Umweltbeauftragte der Evangelischen Landeskirche in Baden, der Energieversorgung und -beratung und ein Wirtschaftspsychologe. 

Deutlich wurde, dass Klimaschutz eine Investition ist, die von allen ihren Einsatz verlangt. Wie alle Investitionen kann auch diese ohne Mut und Bereitschaft zu Neuem nicht geschehen. Was dabei zumutbar ist, ist auch eine Frage der mentalen Bewertung. Aus der Praxis der Energieagentur wurde berichtet, dass zu Beginn des Ukrainekrieges bei den extrem hohen Gaspreisen die Beratungsnachfrage viel höher war, diese dann abflachte und erst jetzt allmählich wieder anzieht.

Um diesen Mut und Willen zu gewinnen, braucht es Kommunikation. Darin waren sich alle Beteiligten einig. Die Vertretenden von Handwerk, Energieberatung, Kommune und Kirche gaben einen Einblick, wie in ihrer Praxis Kommunikation aussieht. Ziel der Kommunikation muss es sein, die Menschen „aus der Schockstarre“ wieder ins Handeln zu bringen. Dies geschieht durch das Aufzeigen von Handlungsmöglichkeiten, von einzelnen Maßnahmen in einem Gesamtkonzept, der konsequenten Information über Fördermöglichkeiten.

Kommune und Elektrizitätswerk Offenburg stehen für eine vorausschauende Investition in die Infrastruktur der Gewinnung und Verteilung von Wärme. Die Nachfrage der Haushalte nach Fernwärme in Offenburg wurde flächendeckend vorgestellt. 

Von Seiten der Bank kam der Einblick in zwei verschiedene Kundensegmente bei der Finanzierung: Menschen, denen teilweise die Finanzierung von Maßnahmen schwerfällt, vermögende Kunden, die sich teilweise zurückhalten, weil sie unsicher sind über zukünftige Renditeentwicklungen für ihr Geld. Auch bei letzteren wurde deutlich, dass die Frage von Sanierungsinvestitionen eine der Bewertungen ist. 

Aufgrund der perspektivisch zurückgehenden Kirchensteuermittel bei gleichzeitig erheblichem Instandhaltungsrückstau wird auf Seite der Evangelischen Landeskirche in Baden eine Reduzierung des Baubestandes auf 30-45%  die Konsequenz sein. Zugleich hat man mit den in 2023 verabschiedeten Klimaschutzgesetz sich das Ziel gesetzt, bis 2040 klimaneutral zu sein, also zeitgleich wie es auch Baden-Württemberg anstrebt.
 
Kritisch wurde gesehen, dass die Wertschätzung des Energiesparens in der öffentlichen Diskussion derzeit nur einen geringen Stellenwert erhält. Es kam auch der Hinweis, dass bei den CO2-Emissionen eines Wohnhauses gerechnet auf 50 Jahre ca. 40% bereits in der der Bausubstanz selbst liegen (sog. Graue Energie).
 
Vom Handwerk kam der Hinweis auf die ökologische und wirtschaftliche Nachhaltigkeit von Holz und Holz-Aluminiumfenstern, sowohl im Neubau wie im Sanierungsbereich.
 
Klar wurde auch die Ambivalenz staatlicher Gesetze gesehen. Grundsätzlich in Frage gestellt wurden sie von niemandem aus der Runde. Von Seiten der Kommune kam jedoch die Problematik ins Spiel, dass sie als Lastenverschiebung vom Bund hin zu den Kommunen erlebt werden, welche die Infrastruktur stellen müssen. Werden die Vorgaben als nicht erfüllbar erlebt „zu viel in zu kurzer Zeit“, oder von den Medien als solche dargestellt, kommt es zur „Schockstarre“. 

Für den Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt Südbaden war diese Form einer Veranstaltung in einem vertraulichen Rahmen eine Neuheit. Die Anwesenden empfanden sie als Bereicherung für ihre Tätigkeit. „Raus aus dem Silo“ in den Austausch mit anderen. Für den Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt sind Bewahrung der Schöpfung und der Mensch als Mitgestalter der fortlaufenden Schöpfung Grundlage. Im Austausch der Verantwortlichen wird konkret, was diese Bewahrung der Schöpfung bedeutet. Kirche kann hier sehr wohl Mittlerin sein und ihre Räume, in diesem Fall das Gemeindehaus der Stadtkirche Offenburg, zur Verfügung stellen.