Liebe Schwestern und Brüder,
geh aus mein Herz und suche Freud… und schau an der schönen Gärten Zier – das sind zwei Aufforderungen aus der ersten Liedzeile von dem wunderbaren Paul Gerhardt Lied „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“... Das passt doch hervorragend zu dem Anlass heute „Tag der offenen Tür“, wo wir rausgehen oder besser raufgehen zum Aspichhof, um zu schauen, einerseits wie Landwirtschaft heute „funktioniert“ und andererseits um zu erfahren wie Menschen mit ganz verschiedenen Lebensgeschichten und Potentialen dort bei der Arbeit integriert und gefördert werden können.
Es geht also erst mal bei diesem Tag des offenen Hofes um das Schauen: Genauer um das staunende Wahrnehmen der wunderbaren Schöpfung Gottes, der alles so weise geordnet hat wie es in Psalm 104 formuliert wird.
Die Schöpfung ist ein hochkomplexes System, das viele Faktoren hat, die zu einer Balance beitragen, aber dessen Grenzen wir respektieren sollen, damit die Schöpfung sich nicht erschöpft.
Rolf Brauch: Predigt beim Sommerbegegnungstag auf dem Aspichhof am 28. August 2016
Papst Franziskus legt in seiner Enzyklika „Laudato Si“ Wert auf diesen demütigen Respekt der Schöpfung gegenüber. Die Schöpfung ist ein Geschenk Gottes – diese Gabe wird aber immer zur Aufgabe für uns, sie zu bewahren, aber auch im Sinne von mit der Fülle der Gaben der Schöpfung friedvoll und gerecht umzugehen.
Und wie überheblich sind wir doch oft als die modernen Menschen, die meinen die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben, wenn wir mit unserem Fortschritt meinen, es besser zu können als die Schöpfung. Natürlich dürfen wir bebauen und das heißt eingreifen in das immerwährende Schöpfungsgeschehen – auch Franziskus verdammt nicht pauschal Technologie und technischen Fortschritt, aber bitte mit mehr Achtung, Vorsicht, Maß und Fehlerfreundlichkeit.
Und wie überheblich sind wir doch oft als die modernen Menschen, die meinen die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben, wenn wir mit unserem Fortschritt meinen, es besser zu können als die Schöpfung. Natürlich dürfen wir bebauen und das heißt eingreifen in das immerwährende Schöpfungsgeschehen – auch Franziskus verdammt nicht pauschal Technologie und technischen Fortschritt, aber bitte mit mehr Achtung, Vorsicht, Maß und Fehlerfreundlichkeit.
Wir lesen im ersten Buch Mose, im Buch Genesis von dem sogenannten Herrschaftsbefehl, „Dominum Terrae“. Dieses Herrschen hat man leider missverstanden: herrschen meint, dass der Menschen den Lebensraum für sich und alle Geschöpfe bewahrt. Der Mensch soll als Ebenbild Gottes die Schöpfung treuhänderisch verwalten, der Freiheit der Nutzung sind Grenzen gesetzt. In 5. Mose findet sich dazu eine wichtige und auch interessante Bibelstelle: Wenn Du ein Vogelnest findest mit Jungen und die Mutter sitzt auf den Jungen, dann darfst Du die Jungen nehmen, aber die Mutter sollst Du fliegen lassen. Das ist Nachhaltigkeit, die Fähigkeit zur Reproduktion muss erhalten bleiben – wir müssen uns nicht unbedingt auf die Forstwirtschaft als Erfinder der Nachhaltigkeit beziehen, es tut auch die gute alte Bibel!
Wir modernen Erwachsenen haben schlicht das Staunen verlernt, ein Staunen, das zum Danken und Loben führt, aber eben auch zu einem achtsamen Umgang mit der Schöpfung – und ganz wichtig an dem heutigen Tag: auch mit den Mitteln zum Leben und denen, die diese für uns herstellen - den Landwirten.
Ich nenne Ihnen einige Beispiele zum Staunen:
Sehen Sie also heute einfach einmal genau hin, damit geben Sie auch der Person, die die Schöpfung bebaut und bewahrt und der Schöpfung Ansehen oder mit dem Fremdwort Respekt=Wertschätzung. Das Ansehen fängt mit dem Hinsehen an. und das wissen wir doch alle, wenn jemand mit uns redet und uns nicht anschaut dabei, dann missfällt uns das und wir fühlen uns nicht recht ernst genommen.
Und sie werden feststellen, wenn Sie heute mit den Landwirten ins Gespräch kommen, dass der Blick manchmal ganz verschieden sein kann: Sie sehen, schmecken und riechen die Köstlichkeiten aus den Ställen und Feldern, Sie haben die wogenden Getreidefelder gesehen, die jetzt abgeerntet wurden – das nimmt gewiss auch der Landwirt wahr, aber er sieht gewissermaßen auch den Preis der Produkte, der ihn dann gar nicht so erfreut. Denn auch seine Arbeit soll sich lohnen – und da ist ja neben der Arbeit noch jede Menge Kapital, das im Familienbetrieb oft in Generationen im Schweiße ihres Angesichts aufgebaut haben.
Wir modernen Erwachsenen haben schlicht das Staunen verlernt, ein Staunen, das zum Danken und Loben führt, aber eben auch zu einem achtsamen Umgang mit der Schöpfung – und ganz wichtig an dem heutigen Tag: auch mit den Mitteln zum Leben und denen, die diese für uns herstellen - den Landwirten.
Ich nenne Ihnen einige Beispiele zum Staunen:
- der Getreidehalm, der im Vergleich zum Eiffelturm viel belastungsfähiger und doch flexibel ist
- die Leguminosen, die Luftstickstoff im Boden fixieren können und damit für die Düngung der nachfolgenden Kultur sorgen
- oder die immer noch nicht ganz aufgeklärte Kommunikation der Bienen in ihrem Staat.
Sehen Sie also heute einfach einmal genau hin, damit geben Sie auch der Person, die die Schöpfung bebaut und bewahrt und der Schöpfung Ansehen oder mit dem Fremdwort Respekt=Wertschätzung. Das Ansehen fängt mit dem Hinsehen an. und das wissen wir doch alle, wenn jemand mit uns redet und uns nicht anschaut dabei, dann missfällt uns das und wir fühlen uns nicht recht ernst genommen.
Und sie werden feststellen, wenn Sie heute mit den Landwirten ins Gespräch kommen, dass der Blick manchmal ganz verschieden sein kann: Sie sehen, schmecken und riechen die Köstlichkeiten aus den Ställen und Feldern, Sie haben die wogenden Getreidefelder gesehen, die jetzt abgeerntet wurden – das nimmt gewiss auch der Landwirt wahr, aber er sieht gewissermaßen auch den Preis der Produkte, der ihn dann gar nicht so erfreut. Denn auch seine Arbeit soll sich lohnen – und da ist ja neben der Arbeit noch jede Menge Kapital, das im Familienbetrieb oft in Generationen im Schweiße ihres Angesichts aufgebaut haben.
Und das kann uns nicht gleich-gültig sein, denn Gott hat den Menschen beauftragt die Erde zu bebauen und zu bewahren – und dazu braucht er als Kooperationspartner den Landwirt in einer arbeitsteiligen Wirtschaft, der wir unseren Wohlstand zu verdanken haben.
Und der Landwirt weiß sehr genau, dass er trotz modernster Technik in Stall und Feld und einer hervorragenden Ausbildung Lebensmittel nicht einfach machen kann. Er kann nur dafür optimale Bedingungen schaffen. Die Schöpfung und damit auch die Arbeit des Bauern bleibt abhängig vom Segen Gottes und seiner Verheißung, dass nicht aufhören soll Saat und Ernte, denn Wachstum und Gedeihen stehen auch weiterhin in des Himmels Hand.
Martin Luther hat dazu sehr treffend formuliert: Selbst wenn Du hundert Jahre pflügst, kannst du doch nicht einen Getreidehalm aus der Erde wachsen lassen
Im Psalm 104 heißt es, dass Gott uns die Speise gibt oder im bekannten Erntedanklied, dass das Brot durch unsere Hände geht, aber von Gott her kommt.
Gott braucht dazu die Bauern als Kooperationspartner und uns alle als kundige Kunden. Denn: Die Sorge um mein tägliches Brot ist eine materielle Frage. Die Sorge um das Brot meines Bruders ist eine geistliche Frage.
Wir leben nicht in einer Welt jenseits der Ökonomie – im Schlaraffenland oder im Paradies - unsere Wertschätzungs-Währung für die Mittel zum Leben ist das Geld.
Im Psalm 104 heißt es, dass Gott uns die Speise gibt oder im bekannten Erntedanklied, dass das Brot durch unsere Hände geht, aber von Gott her kommt.
Gott braucht dazu die Bauern als Kooperationspartner und uns alle als kundige Kunden. Denn: Die Sorge um mein tägliches Brot ist eine materielle Frage. Die Sorge um das Brot meines Bruders ist eine geistliche Frage.
Wir leben nicht in einer Welt jenseits der Ökonomie – im Schlaraffenland oder im Paradies - unsere Wertschätzungs-Währung für die Mittel zum Leben ist das Geld.
Und wir alle wissen und erfahren das gerade bei der Milch, was Luther hunderte Jahre vorher so formuliert hat: das ständige Vorhandensein macht Dinge wertlos, Seltenes achtet man. Das ist bestimmt einfacher Marktmechanismus mögen die coolen Ökonomen sagen, aber so effizient der Markt auch funktionieren mag – letztlich muss er dem Menschen dienen. Wir sollten nicht den Markt als neuen Götzen verehren und ihm Altäre bauen, es muss zurück zum Primat der Ethik und Politik. Der Wert der Milch ist umfassender und größer als der Preis an den Spotmärkten. Die Ökonomie legt mit den Preisen einen Grauschleier auf die Wirklichkeit! Der Erfinder der rationellen Landwirtschaft, Albrecht Daniel Thaer scheint diese Problem von Wert und Preis gerade bei Lebensmitteln schon geahnt zu haben als er schreibt; Dass der Marktpreis des Getreides und aller unentbehrlichen Produkten nie unter den natürlichen sinke, muss nicht bloß der Landwirt, sondern jeder verständige Staatsbürger wünschen und die Regierung, wenigstens passive befördern. Der Griff ins Regal ist eben nicht egal – denn meine Haltung als Schöpfungsbewahrer muss auch ein entsprechendes Verhalten nach sich ziehen. Und das geht in Gemeinschaft und gemeinsam am besten, denn was ein einzelner nicht vermag, das vermögen viele- sagte übrigens Friedrich W. Raiffeisen oder wie es in Prediger 4 heißt: So ist´s besser zu zweit als allein – und weiter: eine dreifache Schnur reißt nicht so leicht entzwei. Das heißt konkret bei der Milch: Wir sind alle in der Plicht: Die Verbraucher, die Politik und die gesamte Wertschöpfungskette.
Wenn wir also wollen, dass Gott durch die Landwirte, die Müller und Bäcker… uns das tägliche Brot gibt, dann muss sich unsere Wertschätzung auch in Wertschöpfung umsetzen.
Wenn wir also wollen, dass Gott durch die Landwirte, die Müller und Bäcker… uns das tägliche Brot gibt, dann muss sich unsere Wertschätzung auch in Wertschöpfung umsetzen.
Dabei muss uns klar sein, dass Landwirtschaft weit mehr ist als nur Herstellung von Lebensmitteln, auch das kann man heute erfahren – es geht auch um die wunderbare Kulturlandschaft mit Bächlein, Lerche und Bienenschar oder ihre Beitrag zur Dorfgemeinschaft, zum Dorfleben und auch zur regionalen Wortschöpfung oder Ressourcenschutz.
All das dürfen wir heute dankbar wahrnehmen, damit aus dem Sehen Ansehen wird und aus dem Ansehen Solidarität, weil wir verstehen, dass wir einander brauchen: Dazu müssen sich immer wieder Menschen, die sich fremd geworden sind wie Landwirte und Verbraucher begegnen und sich besuchen wie am Tag der offenen Tür, weil man die Bauern ausgesiedelt hat nicht nur aus dem Dorf, sondern eben auch aus den Herzen, Hirnen und Geldbeuteln der Menschen.
Dieser Tag des Dankens und Lobens der Schöpfungsgaben führt uns zur Verantwortung und zur Solidarität. Nur eine Gemeinschaft, die solidarisch ist, ist gerecht und friedlich. Und dann kann man beim Teilen, die wunderbare Erfahrung machen, dass es für alle genug gibt - und sogar noch mehr wie in der Geschichte der Speisung der 5000. Das Wunder geschieht durch Danken und Vertrauen, zwei Tugenden und Werte, die uns heute in einer satten aber auch unzufriedenen und jammernden Gesellschaft so oft fehlen.
Dankbarkeit und Vertrauen sind Zwillingsschwestern sagt der Zukunftsforscher Matthias Horx.
Dieser Tag des Dankens und Lobens der Schöpfungsgaben führt uns zur Verantwortung und zur Solidarität. Nur eine Gemeinschaft, die solidarisch ist, ist gerecht und friedlich. Und dann kann man beim Teilen, die wunderbare Erfahrung machen, dass es für alle genug gibt - und sogar noch mehr wie in der Geschichte der Speisung der 5000. Das Wunder geschieht durch Danken und Vertrauen, zwei Tugenden und Werte, die uns heute in einer satten aber auch unzufriedenen und jammernden Gesellschaft so oft fehlen.
Dankbarkeit und Vertrauen sind Zwillingsschwestern sagt der Zukunftsforscher Matthias Horx.
Dazu lädt uns dieser Tag und auch dieser Gottesdienst heute Morgen ein, wieder mehr Dankbarkeit und Vertrauen zu wagen auch beim Sehen und Be-Stauen der Schöpfung Gottes, die die Bauern immer wieder neu bebauen und bewahren.
Dankbarkeit und Vertrauen sind Ressourcen für unsere Gesellschaft und Wirtschaft, die Wachstum und Veränderung ermöglichen, die aber auch für uns ganz persönlich wichtig sind.
„Geh aus mein Herz und suche Freud“ heißt eben auch, verlasse deine unproduktive Bauchnabelschau der eigenen Befindlichkeit von Jammerei, Neid oder Undankbarkeit.
Seien wir doch einmal ehrlich: Gründe zu jammern und zu klagen würden wir doch immer finden. Wir jammern auf höchstem Niveau, Neid ist die höchste Form der Anerkennung und Undankbarkeit ist an der Tagesordnung.
Dankbarkeit und Vertrauen sind Ressourcen für unsere Gesellschaft und Wirtschaft, die Wachstum und Veränderung ermöglichen, die aber auch für uns ganz persönlich wichtig sind.
„Geh aus mein Herz und suche Freud“ heißt eben auch, verlasse deine unproduktive Bauchnabelschau der eigenen Befindlichkeit von Jammerei, Neid oder Undankbarkeit.
Seien wir doch einmal ehrlich: Gründe zu jammern und zu klagen würden wir doch immer finden. Wir jammern auf höchstem Niveau, Neid ist die höchste Form der Anerkennung und Undankbarkeit ist an der Tagesordnung.
Das Anschauen der Schöpfung und Arbeiten in der Schöpfung hat schon (fast) therapeutische Wirkung. Das dichtete Paul Gerhardt, der oft diesen Imperativ verwendete: Befiehl Du Deine Wege, auf, auf mein Herz mit Freuden…,als jemand, der selber sehr viel Leid in seinem Leben erlebte. Es hilft, es heilt dieser Blick auf die Schöpfung, der nicht in einer puren Naturromantik endet, sondern in einer Dankbarkeit, die sich in der Verantwortung zeigt.
Wir dürfen daher für uns alle bitten, dass Gottes Geist Raum in uns findet, dass wir alle gute Bäume werden, die Früchte bringen, weil sie gute Wurzeln haben.
Wenn Deine Wurzeln tief sind, brauchst Du den Wind nicht zu fürchten!
Das brauchen wir alle in Stadt und Land, Landwirte und Verbraucher, Männer und Frauen, Junge und Alte.
Halt brauchen wir jenseits aller materiellen Dinge. Gott hält diese Welt in seiner Hand und ganz gewiss auch Dich.
Amen
Wir dürfen daher für uns alle bitten, dass Gottes Geist Raum in uns findet, dass wir alle gute Bäume werden, die Früchte bringen, weil sie gute Wurzeln haben.
Wenn Deine Wurzeln tief sind, brauchst Du den Wind nicht zu fürchten!
Das brauchen wir alle in Stadt und Land, Landwirte und Verbraucher, Männer und Frauen, Junge und Alte.
Halt brauchen wir jenseits aller materiellen Dinge. Gott hält diese Welt in seiner Hand und ganz gewiss auch Dich.
Amen





