Fremd im Dorf – Aus Flüchtlingen werden Nachbarn

Kloster St. Ulrich war vom 20.01.- 22.01 2017 Tagungsort des Kirchlichen Dienstes auf dem Land in Südbaden. 26 Teilnehmerinnen und  Teilnehmer aus ganz Südbaden fühlten sich in der neu renovierten Anlage sehr wohl.
Informiert und diskutiert wurde über das Thema: „Fremd im Dorf – aus Flüchtlingen werden Nachbarn“. Dazu hatte Pfr. Hermann Witter kompetente Referenten eingeladen, die das Thema aus verschiedenen Perspektiven beleuchteten. Beeindruckt waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von der großen Erfahrung und der Kenntnis des Islams, die die Experten, zum Teil jahrelang, in der islamischen Welt gewonnen hatten.

In seinem theologischen Beitrag, der sich mit den Grenzen religiöser Toleranz befasste, legte Prälat Dr. Schächtele Wert darauf, dass Christen versuchen sollten für ihren Glauben zu werben, indem sie über ihren Gott sprechen. Anderen deren Glauben absprechen wäre kein Zeichen von Tolerenz, vielmehr seien Christen aufgefordert dem Glauben anderer mit Respekt zu begegnen und gleichzeitig sichtbar den eigenen christlichen Glauben leben .

Vom Landesamt für Verfassungsschutz sprach Dr. Müller zum Thema islamischer Extremismus. Er zeichnete die Entwicklung des Islams von seinen frühen Anfängen bis zur Neuzeit nach. Seine Ausführungen zum Salafismus ließen den Zuhörern deutlich werden, dass mitunter hinter harmlos erscheinenden  Fassaden verfassungsfeindliche Absichten stecken können. Dies zeige sich unter anderem daran, dass der Islam die nach dem Grundgesetz gebotene Gleichstellung von Mann und Frau nicht kenne und den demokratischen Rechtsstaat durch die islamische Rechtsordnung ersetzen will.
Dr. Ourghi, Islamwissenschaftler an der Pädagogischen Hochschule Freiburg, stellte die Frage, welcher Islam zu Deutschland passe. Es könne nur ein „aufgeklärter“ Islam sein, der das Grundgesetz respektiere und Christen nicht als Ungläubige betrachte. Von der Evangelischen Landeskirche in Baden erwarte er, dass sie die islamischen Reformer unterstütze und nicht mit den konservativen, rückwärtsgerichteten Verbänden zusammen arbeite.

Frau Kilwing von Verein: „Willkommen in Heitersheim“ bezeichnete es Ziel als des Vereins, dass Einheimische und Flüchtlingen gut zusammen leben können. Ihre Erfahrungen in der Flüchtlingsarbeit sei vor allem gekennzeichnet gewesen, dass die Anforderungen an die freiwilligen Helferinnen und Helfer sehr vielfältig und breit gefächert waren. So ging es unter anderem auch darum den Flüchtlingen, neben administrativer und logistischer Hilfestellung, auch eine soziale Heimat zu bieten.

Über die Beweggründe zur Flucht und die Hoffnungen der Flüchtlinge sprach Frau Jeschke von Caritas International. Grundlage für alle Arbeit mit Menschen, die aus ganz verschiedenen Gründen nicht in ihrer angestammten Heimat bleiben wollen oder können, sei die UN Menschenrechtserklärung aus dem Jahre 1948. Frau Jeschke gab einen Überblick über die weltweiten Flüchlingsströme, von denen Europa nur ein Bruchteil zu vergegenwärtigen habe. Erstaunt nahmen die Zuhörerinnen und Zuhörer die in Deutschland geltenden verschiedenen juristischen Definitionen und Unterscheidungskriterien von Flüchtlingen, Kriegsflüchtlingen und Migranten zur Kenntnis. 

Eine tiefe emotionale Erfahrung vermittelte Herr Beier-Spiegler vom Diakonischen Werk Breisgau Hochschwarzwald zum Thema Integration, indem er die Teilnehmer aufforderte eine Selbsteinschätzung vorzunehmen, wie sie in ihrem Wohnort integriert seien. Für viele eine gute Erfahrung, um nachfühlen zu können, dass Integration eine immerwährende Aufgabe ist, sowohl für das Individuum, als auch für die Gesellschaft.