Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen
Liebe Gemeinde,
Wir nähern uns mit Riesenschritten dem Erntedankfest. Am nächsten Sonntag ist es wieder soweit. Wieder einmal werden wir unsere Freude darüber zum Ausdruck bringen, dass wir genug zu essen und zu trinken haben. Wieder einmal werden wir Gott und den Bauern - routinemäßig - dafür danken.
In den Tageszeitungen und Wochenblättern liest man seit einigen Monaten, wie prekär die Situation der deutschen Landwirtschaft im Allgemeinen und die Lage der Milchbauern im Besonderen ist.
Aber sind wir ehrlich, es gibt genug andere Themen, die unser Interesse binden: Krieg in Syrien und Irak, Aleppo, Erdogan, Putin, AFD, wie gehen wir mit den Flüchtlingen um, Abgasskandal bei VW, Milliardenklagen gegen die Deutsche Bank usw.
Da nehmen wir fast gar nicht mehr wahr, dass mit jedem Hoftor, das geschlossen wird, auch ein Teil unserer Nahrungsmittelsouveränität in Deutschland verloren geht. Dass mit jedem Hoftor das geschlossen wird, ein Stück bäuerlicher und dörflicher Tradition verschwindet. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, wenn der innere Zusammenhalt in unseren Dörfern und Gemeinden leidet.
Essen und Trinken sind wichtige Themen, auch in der Bibel.
Der Apostel Paulus lässt uns heute Zeuge sein, wie es in der christlichen Gemeinde in Rom um die Wurst ging. Genauer gesagt ums Fleisch. Ich lese aus dem Römerbrief im 14. Kapitel:
„Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude in dem heiligen Geist. Wer darin Christus dient, der ist Gott wohlgefällig und bei den Menschen geachtet. Darum lasst uns dem nachstreben, was zum Frieden dient und zur Erbauung untereinander.“ (Römer 14, 17 - 19)
Hermann Witter: Predigt über Römer 14, 17-19
am 25.09.2016 in Seefelden
Was war da los, unter den Christen in Rom?
Stein des Anstoßes war, dass es Christen gab, die Fleisch aßen, das vorher, im Tempel geschlachtet wurde und daher , automatisch, bestimmten Göttern geweiht war.
Damals war es so, dass die Priester nur bestimmte (die besten) Teil des Tieres opferten, also verbrannten und der Rest auf dem Fleisch-Markt verkauft wurde, oder den Menschen, die geopfert hatten, wieder mit nach Hause gaben.
In der Gemeinde in Rom gab es dazu zwei Meinungen / Streit.
Die einen, die Starken sagten: Es gibt nur einen Gott, dessen Sohn Jesus Christus ist. Es ist doch egal, ob die Tiere Göttern geweiht waren oder nicht: Fleisch ist Fleisch.
Die Schwachen, aber hatten Angst vor Götzenopferfleisch. Sie fürchten: Wenn ich davon esse, dann nehme ich die böse Macht der fremden Götter in mir auf, werde ich vielleicht krank. (Diese Gedanken sind ja heute noch aktuell, wenn sie an die Esoterik denken, oder an fremde Religionen.)
Paulus sah sich zum Eingreifen gezwungen, weil sich die Streitereien an Äußerlichkeiten aufhielten und dabei die wichtigen Inhalte des christlichen Glaubens vergaßen. Deshalb argumentierte er, deshalb predigte er.
Paulus war vom christlichen Glauben deshalb so fasziniert, weil dieser ihm eine Perspektive über den Tod hinaus bietet. Da Jesus ihm vor Damaskus begegnete, wurde es ihm zur Lebensaufgabe, Menschen von diesem Jesus Christus zu überzeugen. Eine einfache Aufgabe war das nicht. Gesundheitlich war er nicht sehr robust und seine Gegner machten ihm das Leben nicht leicht. All dies hinderte ihn jedoch nicht daran, sich mit viel Mut und Energie für den Verbreitung des Glaubens einzusetzen.
Anstatt sich jetzt in der Fleisch-Frage auf eine Seite zu schlagen, nimmt er beide Seiten in die Pflicht.
Er mahnt, den Glaube an Christus und die Freiheit, die aus dem Glauben erwächst, nicht gegen die anderen Christen ein zu setzen. Denn das würde ja die Gräben vertiefen.
Im Gegenteil Christen sollen sich klar machen um was es geht: Es geht ums Reich Gottes.
„Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken“, schreibt Paulus. Soll heißen: Der Zugang zum Himmelreich besteht nicht aus Speisegeboten. Egal ob ihr vegetarisch lebt, vegan oder Fleischesser seid, daran wird sich euer Seelenheil nicht entscheiden.
Den Eintritt ins Reich Gottes erwirbt man durch gerechtes handelt. So entsteht Frieden. Und über Frieden kann man sich nur Freuen. Er ist ein Geschenk des Heiligen Geistes.
Paulus bündelt seine Aussage in dem Wort: Darum lasst uns nachstreben, was zum Frieden dient und zur Erbauung untereinander.
Aus unserer Beratungsarbeit in der landwirtschaftlichen Familienberatung der Kirchen wissen wir, dass sich viele Menschen innerfamiliären Frieden herbei sehnen, aber nicht merken, dass wie sie ihm selbst im Wege stehen.
Am letzten Sonntag feierten wir in Nonnenweier einen großen Hofgottesdienst, in welchem wir eine Hofübergabe als offiziellen kirchlichen Akt begehen konnten. Hofübergaben, das ist bekannt, sind eine sehr sensible Angelegenheit, weil viele und vieles berücksichtigt werden muss. Die Wunschvorstellungen der Älteren an die Jungen passen oft nicht zu den Erwartungen der jungen Leute, und die weichenden Erben sind auch noch da, usw.
So war das auch in Nonnenweier, alles ganz normal. Aber eines war den Eltern auch klar. Sie müssen sich dem Problem stellen und dürfen es nicht verdrängen, sozusagen auf den St. Nimmerleinstag verschieben, denn dann tritt für den Hof der schlechteste aller schlechten Fälle ein: die Erbengemeinschaft.
Es war ein feierlicher Akt, der dort während des Gottesdienstes stattfand. Die ganze Großfamilie stand im Kreis um den Altar, fasste sich an den Händen und bat um Gottes Segen. Nach dem Gottesdienst sprachen die Eltern davon, dass sie froh und erleichtert sind, dass sie das nun „rum“ haben und dass sie sich fest vorgenommen haben, die neuen Freiheiten zu nutzen.
Ich erzähle Ihnen deswegen von diesem Ereignis, weil es für mich beispielhaft zeigt, welche entlastende Kraft christlicher Glaube entwickeln kann. Vertrauen auf Gottes Segen kann dazu führen, dass wir unsere Sorgen, Ängste und Nöte in seine Hände legen, weil er versprochen hat: „Alle eure Sorge werfet auf ihn; denn er sorgt für euch!“ (1Petr 5,7)
Kehren wir zu Paulus zurück.
Paulus redet den Christen in Rom ins Gewissen, durch ihren Streit nicht die Gemeinschaft der jungen christlichen Gemeinde aufs Spiel zu setzen.
Er ist davon überzeugt, dass der Glaube an Christus gibt die Kraft, den anderen zu ertragen mit seinen Stärken oder Schwächen. Dass das manchmal keine leichte Aufgabe ist, kann ich mir gut vorstellen. Aber alle Alternativen sind schlechter, weil sie nicht dem Frieden dienen, sondern Zwietracht säen.
Den Appell des Paulus: „Lasst uns dem nachstreben, was zum Frieden dient und zur Erbauung untereinander!“ könnte man auch als Aufruf zum gegenseitigen Respekt und zur gegenseitigen Achtung verstehen.
Dies gilt besonders für das kommende Erntedankfest. Achten wir die Menschen, die für unser „tägliches Brot“ sorgen und zollen wir ihnen Respekt für ihre Arbeit auf den Feldern, in den Weinbergen und Gärten.
Respekt und Achtung sind wichtige Voraussetzungen für Frieden. Und den haben wir ja so nötig in unseren Familien, in unserem Land, auf der Welt.
Amen
Paulus redet den Christen in Rom ins Gewissen, durch ihren Streit nicht die Gemeinschaft der jungen christlichen Gemeinde aufs Spiel zu setzen.
Er ist davon überzeugt, dass der Glaube an Christus gibt die Kraft, den anderen zu ertragen mit seinen Stärken oder Schwächen. Dass das manchmal keine leichte Aufgabe ist, kann ich mir gut vorstellen. Aber alle Alternativen sind schlechter, weil sie nicht dem Frieden dienen, sondern Zwietracht säen.
Den Appell des Paulus: „Lasst uns dem nachstreben, was zum Frieden dient und zur Erbauung untereinander!“ könnte man auch als Aufruf zum gegenseitigen Respekt und zur gegenseitigen Achtung verstehen.
Dies gilt besonders für das kommende Erntedankfest. Achten wir die Menschen, die für unser „tägliches Brot“ sorgen und zollen wir ihnen Respekt für ihre Arbeit auf den Feldern, in den Weinbergen und Gärten.
Respekt und Achtung sind wichtige Voraussetzungen für Frieden. Und den haben wir ja so nötig in unseren Familien, in unserem Land, auf der Welt.
Amen





