Predigt über Röm.10, 9-17

anlässlich der Gläsernen Produktion, 25 Jahre Direktvermarktung und Hofübergabe in Nonnenweier (18.09.2016)

 
Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen
 
Liebe Gemeinde,
Wir feiern heute einen besonderen Gottesdienst an einem außergewöhnlichen Ort, weil die Anlässe, die uns heute hier zusammengeführt haben, nicht alltäglich sind.

Gerade angesichts dieser drei Ereignisse wie Gläserne Produktion, 25 Jahre Direktvermarktung und Hofübergabe ist es umso notwendiger, dass wir das, was wir tun, unter Gottes Wort stellen.
Der Predigttext für den heutigen Sonntag steht im Römerbrief des Apostels Paulus. Im 10. Kapitel lesen wir:
9 Denn, wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet.
14 Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht glauben?
Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben?
Wie sollen sie aber hören ohne Prediger?
17 So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi.

Liebe Gemeinde,
wenn ich heutzutage etwas wissen will, dann google ich den Begriff. Wenn ich „Gläserne Produktion“ google, dann lese ich „ Aktion der Landwirtschaftsverwaltung in Baden-Württemberg, seit 25 Jahren.
Wenn ich das Stichwort „christlicher Glaube“ eingebe, erfahre ich, dass er auf Jesus Christus zurückgeht und der Apostel Paulus ganz entschieden zur Verbreitung des Glaubens beigetragen hat.
Da es zu Zeiten des Paulus noch keine modernen Medien gab, kein facebook und kein Twitter, nutzte er die Predigt als Multiplikationssystem für seine Botschaft.
Er nutzte die Predigt, weil er seine Zuhörer mit den Inhalten des christlichen Glaubens vertraut machen wollte. Im Gegensatz zu heute konnten die meisten Menschen damals weder lesen noch schreiben, und deshalb war es wichtig, dass sie die Botschaft Jesu aus einem kompetenten Mund hörten.
Paulus war vom christlichen Glaube deshalb so fasziniert, weil dieser ihm eine Perspektive über den Tod hinaus bot. Da er vor Damaskus selbst eine Erfahrung mit Jesus gemacht hatte, wurde es ihm zur Lebensaufgabe, Menschen von diesem Glauben an Jesus Christus zu überzeugen. Eine einfache Aufgabe war das nicht. Gesundheitlich war er nicht sehr robust und seine Gegner machten ihm das Leben nicht leicht. All dies hinderte ihn jedoch nicht daran, sich mit viel Mut und Energie für den Glauben einzusetzen, denn schließlich war er davon überzeugt, dass, so haben wir es vorhin gehört „wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet.
Wir merken, in diesem Bekenntnis steckt auch 2000 Jahre später noch eine Dynamik und Kraft, die man so nicht vermutet hätte. Paulus legt seine ganze Anstrengung darein, damit Menschen den Weg zum Glauben an Jesus Christus finden.
Hier unterscheidet sich Paulus überhaupt nicht von Eltern, wenn Sie mir den Vergleich erlauben.
Auch Eltern tun alles, um ihre Kinder gut zu erziehen, um sie auf den richtigen Weg zu bringen. Zu diesem Zwecke werden unzählige Ratgeber gewälzt, Freunde und Experten gefragt. Es geht ja nicht um Nebensächlichkeiten. Es geht darum, der künftigen Generation das weiter zu geben, was uns lieb und teuer ist. Es geht darum, dass unsere Kinder dies schätzen lernen und für Wert erachten.
Ich glaube, alle diesbezüglichen guten Expertenratschläge lassen sich in einem Satz von Georg Bernhard Shaw, einem irischen Schriftsteller des 19 Jh., so zusammenfassen: Du kannst deine Kinder erziehen, wie du willst, sie machen dir alles nach. Und das stimmt ja auch.
Neulich hatten wir unseren kleinen Enkel, 18 Monate ist er alt, zu Gast. Wir saßen am Mittagstisch und sprachen das Tischgebet. Meine Tochter faltete ihm die Hände und am Ende haben alle ganz deutlich Amen gesagt. Das hat dem kleinen Kerl ganz gut gefallen und jetzt faltet er, wenn wir zu Tische sitzen, bei jedem Bissen Brot die Hände und sagt „Amen“. Da hat er was noch nicht richtig verstanden, aber das gibt sich noch. Es zeigt aber deutlich, welche Vorbildfunktion Eltern, Großeltern und alle die am Tisch sitzen, haben, wenn es um die Weitergabe von Traditionen geht.
Auch bei unseren heutigen Anlässen geht es um die Weitergabe von Traditionen. Gläserne Produktion, Direktvermarktung, Hofübergabe überall wird angeknüpft an vorhandenes Wissen, vorhandene Erfahrungen, vorhandene materielle und immaterielle Ressourcen.
Im Rahmen der Gläsernen Produktion und des Direktvermarktungsjubiläums wird deutlich, dass eine Menge Kenntnisse über die örtlichen Bodenverhältnisse wichtig sind, ebenso über Pflanzensorten und Produktionstechnik und wie alles zusammen spielen muß, damit Brot gebacken, Käse zubereitet, Vieh gezüchtet, Kartoffeln und Sojabohnen und andere Kulturen angebaut werden können.
Beide landwirtschaftlichen Betriebe, Irion und Frenk, lassen uns teilhaben an ihrem Erfahrungswissen ohne das, trotz aller Technik und Mechanisierung, ein Nahrungsmittel nicht hergestellt und Betriebe nicht erfolgreich geführt werden können.
Landwirtschaft hat dann eine Zukunft, wenn übernommene Traditionen neu bedacht werden, wenn danach gefragt wird, wie der Ertrag der Äcker und die Erzeugnisse der Ställe so eingesetzt werden können, dass zumindest eine Generation, im Idealfall mehrere Generationen, davon leben können. Dieser Herausforderung habt ihr euch vor 25 Jahren gestellt und sie erfolgreich bewältigt.
Inzwischen seid ihr zu einer bekannten Adresse in der Region geworden. Gerade in ländlichen Gebieten, in Dörfern, die an sich nicht mit Einrichtungen der Nahversorgung verwöhnt sind, sind solche Initiativen ein wichtiger Baustein, um Lebensqualität im Ort zu halten.
Ich verstehe euren Wunsch, dieses Jubiläum in den Gottesdienst mit einzubeziehen auch als ein Dankschön gegenüber Gott, der eurer Arbeit bisher wohl gesonnen gegenüber stand.
Neben der Gläsernen Produktion, neben dem Hofladen-Jubiläum soll heute noch ein weiteres Ereignis offiziell gemacht werden. Ihr, Bärbel und Reiner, wollt euren Hof im Rahmen dieses Gottesdienstes an euren Sohn Thomas übergeben.
Damit wird vor aller Augen dokumentiert, dass dieser Hof eine Zukunft hat, dass hier weiterhin Lebensmittel für Stadt und Land produziert werden und dass die junge Familie ihren Beitrag leisten will, damit die Schöpfung Gottes für Mensch und Natur erhalten bleibt.
So stellt ihr euch, Anja und Thomas, in die Tradition eurer Vorfahren. Ihr werdet wie sie vor der Aufgabe stehen, das Übernommene an die Erfordernisse der Gegenwart und Zukunft anzupassen. Dass das keine leichte Aufgabe ist, habt ihr schon erfahren. Dass diese Aufgabe zu meistern ist, zeigt euch die ältere Generation, denn sonst könntet ihr den Hof nicht übernehmen.

Liebe Gemeinde, lassen sie mich noch einmal zurückkehren zum Apostel Paulus.
Wie gibt man auf zeitgemäße Weise christlichen Glauben weiter? Vor dieser Herausforderung steht jeder Kirchengemeinderat, jede Pfarrerin, jeder Pfarrer, jeder Elternteil, der sein Kind hat taufen lassen.
Glaubenstraditionen weiter zu geben sind für unsere Gesellschaft genauso wichtig, wie dörfliche Traditionen zu erhalten. Aber Traditionen dürfen nicht zum starren Ritual werden. Mit der Tradition muss auch die Begeisterung für eine Sache übergeben werden.
Benjamin Franklin, der amerikanische Erfinder und Staatsmann, sagte einmal: "Tradition heißt nicht, Asche zu bewachen, sondern die Glut anzufachen".
Wenn ich höre, dass sich viele um unsere christlich abendländische Kultur Sorgen machen, dann frage ich mich, wieso fachen diese Leute nicht einfach die Glut unserer christlichen Kultur an, in dem sie christliche Werte leben? Und dazu gehört auch, Flüchtlingen Schutz zu geben.
Ich wünsche euch, liebe Frenks, liebe Irions, liebe Gemeinde, schürt die Glut, die in christlichen Werten liegt. Bringt euch ein in eine zeitgemäße Umsetzung und interpretiert sie so, dass sie in euch Begeisterung und Lust auf Zukunft wecken.
Und wer jetzt „Paulus“ googelt, der wird auch lesen, dass er begeistert war von der Sache Jesu, dass er von dieser Glut des Glaubens angesteckt war – andere angesteckt hat. Für ihn ist klar: nur wer an Jesus Christus glaubt und sich zu ihm bekennt, hat eine gute Zukunft.
Danken wir Gott mit „Herzen, Mund und Händen“, dass er uns diese Perspektive schenkt.
Amen.