Erste Anfänge . die Zeit von 1947 bis 1950
Nach der Beendigung des 2. Weltkriegs ist schon bald vom “Kalten Krieg” und dem “Eisernen Vorhang” in Europa die Rede. Der Marshallplan von 1947 trägt zum Aufstieg der drei deutschen Westzonen, aber auch zur Spaltung Deutschlands bei. Am 25. Juni, dem Gründungstag der Akademie Baden, wird in der englischen und amerikanischen Besatzungszone der “bizonale Wirtschaftsrat” gegründet. Das Jahr 1948 wird von Währungsreform und der Blockade Berlins bestimmt. 1948/49 gilt in den westlichen Zonen die sogenannte Entnazifizierung im wesentlichen als abgeschlossen. Am 23. Mai 1949 wird im Westen Deutschlands das Grundgesetz verabschiedet, am 7. Oktober des gleichen Jahres tritt für den östlichen Teil eine eigene Verfassung in Kraft. Die Teilung Deutschlands in eine Bundesrepublik Deutschland (BRD) und eine Deutsche Demokratische Republik (DDR) ist vollzogen, die Adenauerzeit beginnt.
Eröffnung der Akademie in Bad Herrenalb
Bereits am 24. Januar 1947 war klar, daß der frühere Direktor des Predigerseminars in Soest/Westfalen, Pfarrer Dr. Friedrich Schauer beauftragt werden sollte, die badische Akademie zu leiten. Schauer war ein Mann der ersten Stunde in der Michaelsbruderschaft gewesen, Mitglied der Bekennenden Kirche (aus der er aus theologischen Gründen wieder austrat), hatte sich am politischen Widerstand gegen das Dritte Reich beteiligt und war nach der Gefangennahme seines Chefs Theodor Steltzer durch die Gestapo Anfang 1945 von Norwegen nach Schweden geflohen.
Dr. Friedrich Schauer
Die Gründung der Evangelischen Akademie Baden bedeutete auch für den aus Schweden nach Deutschland zurückgekehrten Schauer einen Neufang in den Wirren der Nachkriegszeit.
In einem Brief aus dieser Anfangszeit wird darauf hingewiesen, “daß die Gebäude der verschiedenen Evang. Akademien, der bereits errichteten und noch zu errichtenden, von einem dazu zu erschaffenden überkirchlichen Verein gepachtet und den Landeskirchen zum Betrieb der Akademie zur Verfügung gestellt werden sollten.” Die hauswirtschaftliche Leitung sollte “am liebsten in den Händen von Diakonissen” aus Nonnenweier sein, so der Evangelische Oberkirchenrat Anfang 1947.
Im Februar 1947 entschuldigt sich Feldbischof Marcel Sturm offiziell, daß der “Grüne Wald” nicht freigegeben werden kann, “da dieses Haus noch zur Unterbringung der Truppe benötigt wird”. Eberhard Müller schreibt schließlich am 28. Februar 1947 an Oberkirchenrat Otto Friedrich über seine Verabredungen und Abmachungen mit Pfarrer Hans-Wolfgang Heidland:
“Mein Interesse an Herrenalb kam dadurch zustande, dass Herr Pakleppa von unseren Bestrebungen hörte, im französisch besetzten Württemberg ein Haus ausfindig zu machen, das sich für die Errichtung einer Evangelischen Akademie eignet.[...] Die württ. Kirche braucht unbedingt im Laufe der Zeit im französisch besetzten Württemberg die Einrichtung einer Evangelischen Akademie, und die Tatsache, dass Herrenalb zwar auf württ. Boden liegt, aber verkehrsmässig sich mehr nach Baden öffnet, scheint auch äusserlich eine Zusammenarbeit zu bejahen. Falls die badische Landeskirche in irgendeine unerwünschte Abhängigkeit von Württemberg zu kommen fürchtet, könnte ja der badische Oberkirchenrat jederzeit entsprechende Forderungen für die Ordnung der gemeinsamen Arbeit erheben ...”
Friedrich Schauer indessen schreibt noch im April 1947 an Eberhard Müller:
"Die Dinge laufen hier sehr schlecht. Alles ist bestimmt von einem scharfen Gegensatz, vor allem des Landesbischofs gegen Sie. ... Ganz klar ist mir der Grund nicht. Es scheint aber, dass sich die Herrn von Ihnen irgendwie bevormundet wissen oder glauben. ... Es ist jetzt soweit, dass an eine Einrichtung einer Evangelischen Akademie nicht mehr ernstlich gedacht ist".
(aus: E. Müller, Widerstand und Verständigung, S. 102)
Ein Telegramm von Oberkirchenrat Friedrich vom 2. April 1947 an Eberhard Müller lautete aber schon: “Sehen von Grüner Wald ab, da Unterbringung der Akademie auf Falkenburg möglich. Brief folgt.”
Erste Tagungsstätte für die Akademie wird wenig später entgegen den Befürchtungen Schauers das Kindererholungsheim “Falkenburg” in Herrenalb, weitere Zimmer für die Übernachtungen gibt es in der “Käthe-Luther-Schule”. Beide Häuser sind Einrichtungen des Badischen Landesvereins für Innere Mission, wobei die “Falkenburg” allerdings nur in den Sommermonaten benützt werden konnte, da die Heizung für den Winter unzureichend war.
Die Falkenburg ca. 1950
Im Sommer 1947 ist es dann offiziell: Im Gesetzes- und Verordnungsblatt für die Vereinigte Evangelisch-protestantische Landeskirche Baden vom 19. Juni 1947 wird der Beschluß des Evangelischen Oberkirchenrates (OKR) veröffentlicht, eine Akademie mit Sitz in Herrenalb einzurichten:
“OKR 24.5.1947 Die Evang. Akademie der Badischen Landeskirche betr.
Der Evang. Oberkirchenrat hat im Einvernehmen mit dem Erweiterten Oberkirchenrat beschlossen, die Evang. Akademie der Bad. Landeskirche mit dem Sitz in Herrenalb einzurichten.
Diese Evang. Akademie ist eine Einrichtung zur Veranstaltung von kirchlichen Lehrgängen für die Angehörigen der verschiedenen Berufe. Auf diesen Lehrgängen soll durch Vorträge, Aussprachen und gottesdienstliche Feiern Hilfe dafür geleistet werden, dass die Teilnehmer ihre Lebensarbeit im christlichen Geiste durchführen lernen.”
Der Evang. Oberkirchenrat hat im Einvernehmen mit dem Erweiterten Oberkirchenrat beschlossen, die Evang. Akademie der Bad. Landeskirche mit dem Sitz in Herrenalb einzurichten.
Diese Evang. Akademie ist eine Einrichtung zur Veranstaltung von kirchlichen Lehrgängen für die Angehörigen der verschiedenen Berufe. Auf diesen Lehrgängen soll durch Vorträge, Aussprachen und gottesdienstliche Feiern Hilfe dafür geleistet werden, dass die Teilnehmer ihre Lebensarbeit im christlichen Geiste durchführen lernen.”
Tage der Besinnung und Vertiefung für Ärztinnen und Ärzte
Am Mittwoch, den 25. Juni 1947, wird dann die Evangelische Akademie Baden eröffnet. Die erste Tagung der Akademie fand unmittelbar im Anschluß an die Eröffnung statt. Sie hieß schlicht “Tage der Besinnung und Vertiefung” und richtete sich an Ärzte und Ärztinnen, die im Mai 1947 über die Pfarrämter zur Teilnahme an der Veranstaltung eingeladen worden waren.
Auf der Eröffnungsfeier sprachen nach der Begrüßung durch Dr. Friedrich Schauer der damalige Landesbischof Dr. Julius Bender und der Internist Prof. Dr. Richard Siebeck aus Heidelberg, Feldbischof Marcel Sturm, ein Vertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland, Eberhard Müller für den “Deutschen Leiterkreis der Evangelischen Akademien” (heute EAD) und Vertreter von Behörden. Sturm hob in seiner Rede besonders die gemeinsame Verantwortung der Christen aller Länder der im Argen liegenden Welt hervor.
Landesbischof Bender hatte persönlich zur Eröffnungsfeier und der anschließenden eine Woche dauernde Akademietagung eingeladen und schrieb als eine Begründung für die Akademietagung:
“Die Unklarheit und Unsicherheit der Bedeutung gegenüber, welche der christliche Glaube für alles persönliche und gemeinsame Leben besitzt, hat während der letzen Jahrhunderte in unserem Volke beständig zugenommen. Nur so war es möglich, daß die Machthaber des Dritten Reiches aus einer anfangs verhüllten antichristlichen Haltung heraus je länger desto bewußter die Ewigkeitsgrundlage unseres Daseins zu zerstören versuchen konnten.”
Die Programmfolge ließ bereits den Aufbau auch der nachfolgenden Tagungen der Evangelischen Akademie Baden erkennen. Nach einer biblischen Vertiefung wurden Themen wie “Medizin in der Verantwortung”, “Die biblische Auffassung von der Krankheit” und “Deutschland schuldig oder krank?” vorgetragen und in einer Aussprache diskutiert. Anders als heute dauerte die Tagung allerdings eine ganze Woche, wofür später kaum einer sich die Zeit nehmen konnte.
Bereits die zweite Tagung der Akademie richtete sich an “Männer der Wirtschaft” (10.-16. Juli 1947). In der Einladung heißt es:
“An dem Bemühen, das gestörte und zum großen Teil zerstörte Wirtschaftsleben unseres Volkes wieder in Gang zu bringen, nimmt die Kirche aufrichtig Anteil. Wir Männer der Kirche wissen es heute noch mehr als sonst richtig einzuschätzen, daß ohne Ihr Mühen und ohne Ihren Einsatz auch für unsere Arbeit und für unser persönliches Leben die materielle Grundlage fehlen würde.”
Die Rahmenbedingungen für die ersten Akademietagungen waren alles andere als leicht. Damit sie überhaupt stattfinden konnten, mußten neben dem Tagungsbeitrag von 45 Reichsmark auch Naturalien mitgebracht werden, “an Lebensmitteln in natura 1 Pfund Kartoffeln pro Tag, also 7 Pfund für den ganzen Lehrgang, und Brotaufstrich”, heißt es in den ersten Einladungstexten. Bei der Anmeldung zur Tagung sollten die Teilnehmer zudem angeben, “ob der sich Meldende im Besitz eines Einreisevisums in die französische Zone ist, evtl. durch die amerikanische” – die typischen Rahmenbedingungen in einem besetzten Land.
Bis Jahresende 1947 fanden immerhin 16 Tagungen in den Räumen der Akademie statt, u.a. für Lehrer und Lehrerinnen, Juristen, berufstätige Frauen, Sozialbeamtinnen und für Bauern. Als Arbeitsweise “vor vielen anderen Mitteln” nannte Schauer das Gespräch mit all seinen Möglichkeiten der Vermittlung und Begegnung:
“Es unterscheidet sich dadurch von der Predigt und aller predigtähnlichen Verkündigung oder auch von allen Vorträgen, daß dabei beide Parteien ernsthaft aufeinander hören, ehe es zum gegenseitigen Zeugnis kommt. Aber nur wo Menschen einander wirklich anzuhören und durch alle ungeschickte und oft genug unzulängliche Ausdrucksweise das eigentliche Anliegen des anderen in hingebendem Lauschen zu vernehmen vermögen, kann es zu einer fruchtbaren Aussprache und darüber hinaus zu einer wirklichen Gemeinschaft kommen.”
Das Gespräch war damit auch ein Teil jenes Selbstverständnisses der Evangelischen Akademien, wie es bereits im Februar 1947 vom Leiterkreis der Evangelischen Akademien (heute: Evangelische Akademien in Deutschland e.V.) beschrieben worden war:
“Das Wort Gottes, das in Jesus Christus Fleisch geworden ist, kann nicht wie eine zeitlose Wahrheit gedacht und geglaubt werden; die Kirche muß die Menschen an dem Ort aufsuchen, an den sie durch ihren Beruf, ihre geistige Erziehung und ihre persönliche Lebensführung innerhalb dieser Welt gestellt sind [...].”
Mit den Akademietagungen wurde dieser Ort gefunden, wobei vor allem in der Zeit Schauers (in Ausnahmefällen später auch von seinem Nachfolger Schomerus) viele Tagungen nur vom jeweiligen Tagungsleiter ohne weitere Referenten durchgeführt wurden. Die Evangelische Akademie Baden wurde schon bald über die Landesgrenzen hinweg bekannt. Im Frühherbst 1947 wandte sich die “Öffentliche Wissenschaftliche Bibliothek Berlin” an den Oberkirchenrat mit folgender Bitte:
“Der Bibliothek ist bekannt geworden, dass die Evangelische Akademie Baden, deren Anschrift sie nicht weiss, eine Reihe von Vorträgen herausgibt. Die Bibliothek würde sie neben den Veröffentlichungen anderer evangelischer Akademien aber gern in ihren Beständen besitzen [...].”
Zwei Publikationen aus der Buchreihe "Vorträge der Evangelischen Akademie Baden" sind inzwischen bekannt, einmal ein Bericht von Erwin Friedrich Mühlhaupt und ein Vortrag von Hans-Wolfgang Heidland, beides Zeitzeugnisse, die sich mit Fragen des christlichen Glauben nach dem zweiten Weltkrieg auseinandersetzen.
Spendenaufruf
In den entbehrungsreichen Nachkriegsjahren hatte die Akademie mit Schwierigkeiten zu kämpfen, die heute kaum mehr vorstellbar sind. Es herrschte “Mangel an Papier aller Art, besonders auch für den Druck von Programmen, Werbeschriften und gelegentlichen Mitteilungen an die Tagungsteilnehmer, sowie Mangel an Büromaterialien aller Art.” Schauer schreibt im April 1948:
“Den Hilferuf um eine brauchbare Schreibmaschine wage ich kaum laut werden zu lassen, geschweige denn den um einen kleinen Kraftwagen zur Herbeischaffung der Redner und der Teilnehmer aus der französischen Zone, die über Gernsbach anreisen müssen.”
Schauer bittet daher um Spenden, die zum weiteren Bestehen und Ausbau der Akademie beitragen können.
“Wir sind auch für den kleinsten regelmäßigen oder gelegentlichen Beitrag herzlich dankbar [...]. Auch ermöglichen uns die freiwilligen Spenden, bedürftigen Teilnehmern den Tagungsbeitrag zu ermäßigen oder in ganz besonders schwierigen Fällen ganz zu erlassen.”
Schauer führte ein “Montagabendgebet” ein, bei dem für die Arbeit der Akademie regelmäßig um 22 Uhr gebetet wurde. Er schreibt weiter:
“Denn um ein Wagnis handelt es sich hier, um nichts anderes. Wir tasten. Wir sind unterwegs. Wir suchen einander zu helfen im Ringen um die Verwirklichung der neuen Kirche und des neuen Volkes aus der ewig gleichen Kraft spendender und begnadender Liebe unsres Herrn und Meisters Jesu Christi.”
Die Währungsreform vom 20. Juni 1948 war für Deutschland zwar ein entscheidender Schritt zur Normalität, doch wandten sich die Menschen zwangsläufig wieder vermehrt materiellen Gütern zu. Das erstaunliche kulturelle Leben dieser Zeit versickerte wieder.
Auch für die Akademie Baden kam es wegen erhöhter Tagungskosten und des Währungsschnitts (100 RM=6,50 DM) zu zahlreichen Absagen von Interessenten, obwohl rund 2000 Einladungen durch die Expeditur des Oberkirchenrat versandt wurden. Schauer machte sich nun Gedanken, eine preiswertere und heizbare Tagungsstätte zu finden. Im Gespräch war eine Zeit lang der Gasthof Lautenfelsen in Lauterbach, ein Ochsenwagen “zur Beförderung des Gepäcks und sonstiger Materialien sei verhältnismäßig leicht mietbar”, schrieb Schauer an den Oberkirchenrat. Von einem Aufgeben der Akademiearbeit riet Schauer ab:
“Das Aufgeben der Arbeit der Evangelischen Akademie wäre für die badische Landeskirche zweifellos ein Verlust [...]. Es wächst auch mit dem Wegfall einer solchen Arbeit die Gefahr, daß sich die Kirche unter dem Druck der heutigen finanziellen Schwierigkeiten mehr und mehr darauf beschränkt, nur noch Vorhandenes zu erhalten, ohne neue Menschen und Lebensgebiete für ihre Einflußnahme zu erschließen.”
Fortbestand in Gefahr
Eines dieser Lebensgebiete war die Presse, die schon in diesen Tagen kein unkritisches Verhältnis zur Kirche hatte. Über das Wagnis einer “Tagung für die Presse” vom 12.-17. Mai 1949 schreibt Schauer eher skeptisch:
“Die Ungunst der Voraussetzungen lag darin, daß die zu allermeist der Kirche gleichgültig gegenüberstehenden Presseleute gar nicht begreifen wollten, worum es hier eigentlich geht. Sie erwarteten einen mehrtägigen Empfang, über den sie in großer Aufmachung berichten konnten.”
Die Tagung wurde dennoch, wie dem Beitrag “Kirche und Presse” von Hermann Knorr am 21. Mai 1949 in der Rhein-Neckar-Zeitung (Heidelberg) zu entnehmen ist, ein Erfolg, denn das erhoffte Gespräch zwischen Menschen fand statt.
“In Herrenalb fand dieser Tage eine Begegnung mit Männern aus der weltlichen Presse statt, ein Ereignis, dem man allseits mit Spannung entgegensah. Da fand sich der gemaßregelte Linksjournalist plötzlich in Gemeinschaft mit dem ehemaligen Chefredakteur der Nazipresse, der aktive Parteipolitiker von heute mit ganz unpolitischen Menschen, und ihnen gegenüber sprachen Männer der Kirche davon – und wollten es auch aus der Welt selbst vernehmen – wie der Christ seinen Beruf in der weltlichen Presse auffasse, was die Kirche ihm bedeutet, wo für ihn die Brennpunkte des öffentlichen Geschehens liegen, worin die Pressearbeit der Kirche selbst besteht, und wo äußerlich und innerlich kirchliche und weltliche Presse sich berühren.[ ...] Es schien am Ende der Tagung, daß die Kirche Gewinn hatte und manche Herzen aufschloß, und daß die Menschen aus der Welt an Quellen herankamen, wo sie Kräfte für das zermürbende Morgen schöpfen konnten und das Christsein neu entdeckten.”
(Ausschnitt aus: Rhein-Neckar-Zeitung, 21. Mai 1949)
Leider rissen aber die Schwierigkeiten der Akademie auch 1949 nicht ab. Schauer konnte sich nur teilweise um die Akademiearbeit kümmern und war zusammen mit seiner Sekretärin Mathilde Weiss mit einer Vielzahl von organisatorischen und zusätzlichen Aufgaben belastet. So wurde Schauer z.B. in den Monaten, wo die Akademie geschlossen war, vorwiegend im Dienste des Männerwerks der Landeskirche eingesetzt.
Das fehlende eigene Haus, das Schauer immer wieder beklagt hatte, wurde zu einem für die Fortsetzung der Akademiearbeit bedrohlichen Problem: Die “Falkenburg” war auch Ende 1948 bis April 1949 mangels adäquater Heizung nicht benutzbar. Gleichzeitig wollte die Innere Mission die Käthe-Luther-Schule wieder für deren eigentliche, gewinnversprechendere Aufgabe als Hauswirtschaftsschule nutzen. Der Druck von dieser Seite auf die Akademie wuchs. Aber auch unterschiedliche Vorstellungen innerhalb der Landeskirche über die Rolle und Aufgabe einer Akademie belasteten die Arbeit. Das Fortbestehen der Akademie war nun ernsthaft in Gefahr. Ende des Jahres verdichteten sich Gerüchte über eine Verlegung der Akademie in Richtung Heidelberg bzw. Schließung der Akademie.
Angesichts dieser bedrohlichen Situation hatte sich während einer Tagung für Wirtschaft und öffentliches Leben (3.-8. Oktober 1949) eine “Gesellschaft der Freunde der Evangelischen Akademie” zusammengefunden und sich die Fortsetzung “der kontinuierlichen Weiterarbeit der Akademie” zum Ziel gemacht. Über die Akademie schreibt dieser erste Freundeskreis:
“Die Evangelische Akademie mit ihrem Leiter Friedrich Schauer und ihren Vortragenden, ihren Tagungen und Teilnehmern aus allen Berufsgruppen ist uns eine Stätte der Hoffnung geworden – der Hoffnung auf Erneuerung unserer weithin so starr und unlebendig gewordenen deutschen evangelischen Kirche.”
Bereits damals wurde der “Geist von Herrenalb” beschworen, gemeint war damit auch die Eigenart der Akademie in Herrenalb, die “Erfahrung der Gemeinschaft der Kirche” übermitteln zu können. Dabei handele es sich nicht um Evangelisation, sondern um “koinonia”, d. h. die “gemeinsame Teilnahme am Leben des erhöhten Herrn”. In einem Brief an den Landesbischof nennt Mathilde Weiss, die die organisatorische Arbeit der Akademie in diesen frühen Jahren erledigte, als Zielgruppe der Tagungen Menschen, deren Leben zunächst von “Entnazifizierung, Heimatlosigkeit und Ziellosigkeit des äußerlichen Lebens” bestimmt worden sei. Nach der Währungsreform habe sich bei den Teilnehmern wieder das Bild geändert, die persönliche Lebensorientierung ginge nun hin auf Ziele des “Aufbauwillen”, des “Erwerbs” und des “Lebenskampfes”.
Entlassung von Dr. Friedrich Schauer
Ende 1949 verdichteten sich die Gerüchte, daß die badische Landeskirche trotz der lobenden Worte in Sachen Evangelische Akademien durch die Evangelischen Kirchen in Deutschland (EKD) die Arbeit in Herrenalb in Frage stellte. Dabei spielte auch eine Rolle, daß Landesbischof Bender zum einen dezentralisierte Tagungen gegenüber einer bodenständigen (fest verorteten) Akademiearbeit bevorzugte und, so der Freundeskreis, “die Akademiearbeit als eine Funktion der Landeskirche mit dem Ziel der Nachwirkung auf das örtliche Gemeindeleben” betrachtete. Schauer hingegen wollte wie Eberhardt Müller in erster Linie eine Akademie, in der sich “Kirche und Welt in freier Aussprache begegnen können”, an einem festen Ort – Herrenalb.
Die bestehenden Meinungsverschiedenheiten über die Erhaltung und Führung der Akademie in Herrenalb und die finanziellen Forderungen des Badischen Landesvereins für Innere Mission brachten dann ein vorläufiges Aus für Herrenalb. Der Pachtvertrag mit der “Falkenburg” und der Betrieb der Akademie wurden im 18. Januar 1950 mit sofortiger Wirkung aufgehoben, ökonomische Gesichtspunkte gewannen über missionarische Gesichtspunkte die Überhand.
Gleichzeitig wurde Dr. Friedrich Schauer aus der Akademiearbeit entlassen; angeboten wurde ihm eine Anstellung als Religionslehrer. Ausschlaggebend für diese Entwicklung waren offenbar auch die schon länger vorhandenen Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Akademieleiter und Landesbischof Bender.
Hans Wolfgang Heidland, inzwischen Oberkirchenrat, wurde nun mit der kommissarischen Leitung der Akademie beauftragt. Als Befürworter der Akademiearbeit suchte er nach einem tragfähigen Kompromiß. Vom Januar bis März 1950 war erstmals von Tagungen im Haus “Charlottenruhe” die Rede. Hier begann die Geschichte der Akademie als eine mit Herrenalb verbundene Tagungsstätte, für die sich der Freundeskreis mit großer Entschiedenheit von Anfang an einsetzte. Auch Eberhardt Müller hatte aus Bad Boller Sicht noch einmal betont, wie wichtig “der feste Sitz und der geeignete Leiter” für eine Akademie sei.
Der Evangelische Oberkirchenrat bat den Landesverein für Innere Mission von Juni bis September 1950 der Evangelischen Akademie für acht Tagungen das Haus “Charlottenruhe” zur Verfügung zu stellen. (Das Haus wurde schließlich am 1. Juli 1952 von der Landeskirche gekauft und 1953 für die Sitzungen der Landessynode und die Tagungen der Evangelischen Akademie umgebaut und erweitert. Diakonissen des Evangelischen Diakonissenhauses Nonnenweier kümmerten sich unter der Leitung von Schwester Elisabeth Kern um die Führung des Hauses.)
Der am 22. Januar 1950 offiziell gegründete Freundeskreis der Evangelischen Akademie Baden, in dem sich Besucher früherer, noch von Schauer geleiteter Tagungen zusammenschlossen, trug die Akademiearbeit weiter. In einem Akademieprogramm heißt es:
“Im ‘Freundeskreis der Evangelischen Akademie Baden (Herrenalb)’ unterstützen frühere Tagungsgäste die Arbeit in Herrenalb und tragen die Ergebnisse der Tagungen weiter in Beruf und Leben [...].
Gelegentlich finden auch Tagungen in den Städten des Landes statt, um einen größeren Menschenkreis daran teilhaben zu lassen.”
In einem Jahresrückblick der Akademieleitung gemeinsam mit dem Arbeitsausschuß des Freundeskreises wird später zwar von der “harten Tatsache” gesprochen, “den bisherigen ständigen Leiter und das bisherige Heim verloren zu haben”. “In aller Kürze” sei es aber doch möglich gewesen ein Tagungsprogramm für 1950 zu gestalten. So konnte u. a. Dr. Hermann Ehlers, Präsident des Deutschen Bundestages, zu Veranstaltungen der Evangelischen Akademie Baden gewonnen werden, die vom “Bodenseekreis” der Akademie veranstaltet wurden.
Mit der Tagungsleitung waren während dieser Monate verschiedene Personen betreut. Namentlich genannt werden können Oberkirchenrat Dr. Heidland, Pfarrer Lic. Manfred Wallach, Pfarrer Dr. Karl-Heinz Schöner, Pfarrer Rudolf Kehr, Landeswohlfahrtspfarrer Wilhelm Ziegler und Pfarrer Jaeger. Auf der Tagung “Über das rechte Lesen” referierte 1950 u. a. der Frankfurter Studentenpfarrer Dr. Wolfgang Böhme, der später einmal Akademiedirektor werden sollte.
Trotz der schwierigen Umstände fiel die Bilanz der Akademiearbeit im Ende 1950 veröffentlichten Tagungsprogramm der Akademie für die Monate Januar bis September 1951 durchaus ermutigend aus:
“Es hat sich bei den Akademietagungen schon als eine Hilfe erwiesen, daß wir einander als Menschen begegneten, die sich der gleichen Not bewußt geworden waren und sich unter keinen Umständen mit ihr abfinden wollten. Es zeigte sich, daß schon eine Frage, die in Ehrlichkeit und Verantwortung gestellt war, ein Stück Antwort in sich bergen konnte; und die gestaltenden Lebenskräfte strömten bereitwilliger als es der Zaghafte erwartete, dem zu, der für den Anruf Gottes offen war und mutig den Schritt in das Neuland tat.”
Bereits in diesen ersten vier Jahren mit all ihren Konflikten und Widrigkeiten zeichnete sich also der Erfolg der Akademieidee auch in Baden ab. In dem genannten Programm ist weiterhin zu lesen, daß sich die Evangelische Akademie Baden “zu einer Stätte echten Gesprächs, innerer Sammlung, fachkundiger Beratung und tapferen Wagnisses” entwickelt habe.
Akademietagungen als Spiegel der Zeit (1947–1950)
1947 “Tage der Besinnung und Vertiefung für Ärzte und Ärztinnen”
“Tage der Besinnung und Vertiefung für Lehrer und Lehrerinnen”
(Tagung über die geistigen Grundsätzebei der Erziehung der Jugend)
“Tage der Besinnung und Vertiefung für Juristen und Juristinnen”
(Tagung über die Grundlagen von Gerechtigkeit und Rechtsprechung)
1948 “Theologische Tage der Besinnung und Vertiefung für gebildete Nichttheologen”
(Tagung über das christliche Menschen- und Weltbild, das Gebet des Christen und die Glaubenszweifel des modernen
(Tagung über die geistigen Grundsätzebei der Erziehung der Jugend)
“Tage der Besinnung und Vertiefung für Juristen und Juristinnen”
(Tagung über die Grundlagen von Gerechtigkeit und Rechtsprechung)
1948 “Theologische Tage der Besinnung und Vertiefung für gebildete Nichttheologen”
(Tagung über das christliche Menschen- und Weltbild, das Gebet des Christen und die Glaubenszweifel des modernen
Wirklichkeitsmenschen)
“Dichtung, Buch, Theater.
Tage der Besinnung für Dichter, Bühnenschaffende, Bibliothekare, Verleger und Buchhändler”
(Die Tagung mußte in Folge der kurz zuvor in Kraft getretenen Währungsreform entfallen)
“Ökumenische Studientagung”
1949 “Tagung für die Presse”
“Tagung für Ärzte und Seelsorger”
“Die Frage der Heimatvertriebenen.
“Dichtung, Buch, Theater.
Tage der Besinnung für Dichter, Bühnenschaffende, Bibliothekare, Verleger und Buchhändler”
(Die Tagung mußte in Folge der kurz zuvor in Kraft getretenen Währungsreform entfallen)
“Ökumenische Studientagung”
1949 “Tagung für die Presse”
“Tagung für Ärzte und Seelsorger”
“Die Frage der Heimatvertriebenen.
Tagung für Flüchtlinge und Flüchtlingsdienste”
“Christlicher Glaube und Weltanschauung”
“Tagung für Wirtschaft und öffentliches Leben”
1950 “Tagung für Eheleute”
“Gespräch über Politik”
“Über das rechte Lesen.
Tagung für Buchhändler und Bücherfreunde”
“Musische Erziehung im Dienst der Menschenbildung”
“Die geistige Situation unserer Jugend”
“Christlicher Glaube und Weltanschauung”
“Tagung für Wirtschaft und öffentliches Leben”
1950 “Tagung für Eheleute”
“Gespräch über Politik”
“Über das rechte Lesen.
Tagung für Buchhändler und Bücherfreunde”
“Musische Erziehung im Dienst der Menschenbildung”
“Die geistige Situation unserer Jugend”





