Der Neuanfang nach 1945 - auch für die Kirche
Evangelische Akademie Baden
Mai 1945. Der zweite Weltkrieg ist – zumindest in Europa - beendet. Viele Millionen Menschen sind Opfer dieses Krieges geworden. Deutschland liegt in Schutt und Asche, zerstört sind dabei nicht nur die Städte, sondern vor allem auch die kulturellen und geistigen Werte. Der Völkermord durch die Nazis ist nicht mehr zu vertuschen, das Vertrauen in staatliche Macht ist gebrochen. In dieser Zeit entstehen die ersten Evangelischen Akademien in Deutschland. Sie sind ein Zeichen für die Bereitschaft der Evangelischen Kirche, Verantwortung beim Aufbau einer demokratischen Gesellschaft zu übernehmen.
Als erste Evangelische Akademie wird 1945 Bad Boll in Württemberg gegründet, deren Promotor und Leiter ist Dr. Eberhard Müller. Kaum ein Jahr später denkt man u.a. auf Müllers Initiative auch in der badischen Landeskirche über die Gründung einer Akademie nach. Die Wahl fällt nach längerer Suche schließlich auf das im Schwarzwald gelegene Herrenalb.
Die Evangelische Akademie 1946
Am 14. August 1946 richtet der Oberkirchenrat der Evangelischen Landeskirche in Baden (OKR) auf Initiative des Leiters des evangelischen Männerwerks und späteren Landesbischofs Dr. Hans Wolfgang Heidland einen deutsch- und einen französischsprachigen Brief an den Feldbischof Oberst Marcel Sturm bei der französischen Militärregierung in Baden-Baden, in deren Zuständigkeitsbereich Herrenalb lag. Darin wird um die Genehmigung zur Errichtung einer kirchlichen Akademie im Kurhospiz “Grüner Wald” ersucht, das längere Zeit von den französischen Truppen beschlagnahmt worden war. Seit einem Jahr sei bereits vergeblich versucht worden, ein Haus “freizubekommen, ohne das die vordringlichen Aufgaben für einen kirchlichen Neubau nicht durchgeführt werden können”:
“Nous songeons a instituer une académie religieuse analogue à celle de l’eglise Evangélique du Wuerttemberg à Bad Boll, où des cours et des vacances continus doivent avoir lieu [...]”
“Wir denken an die Schaffung einer kirchlichen Akademie in der Art derjeniger der württembergischen Landeskirche in Bad Boll, in der fortlaufend Tagungen und Freizeiten durchgeführt werden sollen [...].”
“Wir denken an die Schaffung einer kirchlichen Akademie in der Art derjeniger der württembergischen Landeskirche in Bad Boll, in der fortlaufend Tagungen und Freizeiten durchgeführt werden sollen [...].”
In einem weiteren Brief an den Feldbischof vom 4. Dezember 1946 wird erläutert, daß Ärzte, Juristen, Industrielle und Presseleute in besonderen Berufswochen durch Bibelarbeit sich unter Gottes Wort stellen und von evangelischer Sicht aus für ihren Beruf neu ausrichten sollten. Auch damit folgt man im Grunde dem erfolgreichen Bad Boller Akademieentwurf, Tagungen mit Bibelstudium, anschließenden Aussprachen und Raum für das freie, öffentliche Gespräch anzubieten.
Eberhard Müller stand nämlich in engem Kontakt mit der badischen Landeskirche, da Bad Boll nicht die einzige Akademiegründung im Nachkriegsdeutschland bleiben sollte. Die Männer der ersten Stunde entwickelten recht bald klare Vorstellungen von den Zielen und Aufgaben einer evangelischen Akademie.
Die Bemühungen, das Kurhospiz “Grüner Wald” zu pachten, zerschlagen sich allerdings wieder, nachdem “die im Haus gastierende Truppe” doch nicht, wie zunächst erwartet, am 7. Oktober 1946 abzieht.





